Deutschlands Mediatoren vereinigen sich!
18.Mai 2009 Brinkmann
Und sie bewegt sich doch, die Mediationsszene in Deutschland. Nach vielen, vielen Rückschlägen wird ein neues Kapitel in der deutschen Mediationsgeschichte aufgeschlagen. Am 29. Mai 2009 wird in Frankfurt a.M. unter dem Namen “Deutsches Forum für Mediation DFfM e.V.” der erste große verbandsübergreifende Mediationsverein in Deutschland gegründet.
Der Sitz des neuen Mediationsvereins wird in der Bundeshauptstadt Berlin liegen. Höchstes Gremium des neuen Vereins ist der “Deutsche Mediationsrat”. In diese Delegiertenversammling kann jeder Mitgliedsverband einen Delegierten entsenden. Damit hat jeder Verband unabhängig von seiner Größe das gleiche Stimmrecht. Die Beschlüsse des Mediationsrats kommen mit einfacher Mehrheit zustande. Der Mediationsrat wählt einen Vorstand mit sechs Personen der die Geschäfte führt, und errichtet Fachkommissionen, die mit Vertretern der Einzelverbände und bei Bedarf externen Experten besetzt werden. Die beiden ersten Fachkommissionen werden zur Qualitätssicherung und Zertifizierung von Mediatoren eingerichtet. Finanziert wird das Deutsche Forum für Mediation DFfM aus Beiträgen der einzelnen Mitgliedsverbände und Organisationen. Vorläufiger Sprecher des DFfM ist Mediator und Rechtsanwalt Dr. Frank H. Schmidt.

Foto: “Licht am Ende des Tunnels” von henninx, photocase
Mit der formalen Gründung des DFfM wird hoffentlich das babylonische Stimmengewirr unter den Mediatoren beendet. Es ist davon auszugehen, dass eine professionelle Geschäftsstelle gegründet und eine sehr gute Homepage errichtet wird, so dass den vielen Interessenten der Weg zur Mediation erheblich erleichtert wird. Die repräsentative Struktur des neuen Vereins und die unbestreitbare Fachkompetenz auf dem Gebiet der Mediation bildet die Grundlage, als beleihungsfähige Organisation auch hoheitliche Aufgaben zur Selbstverwaltung der Mediatorentätigkeit und der Zertifizierung wahrzunehmen. Die Übertragung von hoheitlichen Aufgaben der Selbstverwaltung werden gerade vom “Mediations-Expertengremium” angedacht, das vom Justizministerium eingerufen wurde (Lesen Sie dazu hier und dort mehr). Das Deutsche Forum für Mediation DFfM e.V. dürfte für diese wichtige Aufgabe nun geradezu prädestinier sein.
Interessant wird sein, wie wichtige Verbände wie der Bundesverband Mediation, die Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation und der Bundesverband Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt auf die neue Situation reagieren werden. Wie hier und dort berichtet, haben sich diese Vereine leider im Vorfeld vorerst aus dem DFfM zurückgezogen. Nach Außen wurde als Grund die momentane Arbeitsüberlastung angegeben. Ich habe die Hoffnung, dass alle(!) Mediationsvereine die neue Chance nutzen. Die Tür steht bewußt weiter allen bundesweit tätigen Mediations-Organisationen und interessierten Hochschulen offen. Mir wurde mitgeteilt, dass deshalb auch der BM, die BAFM und der BMWA zur feierlichen Vereingründung mit Satzungsverabschiedung und Wahl des sechsköpfigen Vorstandes nach Frankfurt a.M. eingeladen werden.
Es wäre wünschenswert, wenn diese wichtigen Vereine der Einladung folgen, sich mit ihrem Know-how beteiligen, damit wir mit dem Deutschen Forum für Mediation DFfM e.V. von einem echten verbandsübergreifenden Mediationsverein in Deutschland sprechen können.
.
PS: Informativ ist auch der Beitrag “Durchbruch: Deutsche Mediationslandschaft findet zusammen” von Blogger Dr. Thomas Lapp, der als einer der ersten über die neuen Ereignisse berichtete und selbst Teilnehmer auf der letzten Sitzung des DFfM war.
Artikel gespeichert unter: Veranstaltungen, Recht, Verbände
bisher 6 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben
1. Ali Leyendecker | 19.Mai 2009 at 12:27
Die Entscheidung ist richtig und zukunftsweisend. Ich habe immer für einen Verein auf Bundesebene plädiert.
Doch die jetzige Entscheidung wird Strukturen benötigen, die sicherlich schwer umzusetzen sind.
Strukturell sind wichtige Dinge zu regeln, zunächst die Entscheidungsstruktur. Jedem Verband, Organisation etc. nur eine Stimme zu geben ist aus meiner sicht nicht sinnvoll. In Deutschland haben wir in der Regel das Prinzip, dass Größen beachtet werden, etwa im förderalen System. Die großen Verbände etwa Sport und Kirchen gehen ebenfalls nach dem Prinzip, die Parteien in ihrerStruktur sowieso.
Hier für den Mediationsverein eine andere Regelung zu nehmen ist nicht sinnvoll. Diese Regelung kann höchstens als Übergangslösung gesehen werden, um in der “Gründungszeit” den Minderheitenschutz zu gewährleisten (2 - 4 jahre) spätestens dann sollte ein Delegiertensystem eingerichtet werden.
Weiter ist zu klären - wer ist Mitglied im Verein? Können auch Verlage, GmbH etc. Mitglied sein, oder gibt es eine Beschränkung auf gemeinnützige Institutionen?
Weiterhin ist zu klären, gibt es eine Mindestzahl an Mitglieder der beteiligten Verbände - sonst besteht für mich die Möglichkeit einen Verein mit 10 Personen zu gründen und als Mitglied mich aufnehmen zu lassen - und dann das mit einer Stimme, genau so wie der BM mit ca. 1000 - das kann nicht gut gehen.
Die Anzahl der Vorstandsmitglieder bei sechs anzusetzen ist sinnvoll.
Dann folgt die Frage der Finanzierung.
Wenn der Verein sich aus den Verbänden zusammensetzt - müssen folglich die Beiträge von diese kommen.
Daher ist die Finanzierung des Vereins durchaus abhängig von der Entscheidungsstruktur und der Zusammensetzung der Mitgliederversammlung.
Mir fallen auf Anhieb weitere Theman ein, die strukturell zu klären sind.
Bin gespannt wie es weiter geht.
ali leyendecker, Piesport
2. Vera Bütow | 22.Mai 2009 at 13:28
Auf dem Bundeskonkress für Mediaiton in München im Oktober 2008 war gut zu erkennen, dass ein großer verbands-übergreifender Mediationsverein in Deutschland wichtig wäre, da die einzelnen Verbände unter sich keine Einigkeit und keine Harmonie zustande bekommen, obwohl es sich dabei alles um Mediatoren handelt, aber das ist ja wie in jeder anderen Branche. Im eigenen Stall gelten andere Regeln.
Die Zertifizierung der Mediatorin in Deutschland halte ich auch für sehr sinnvoll und notwendig, da sich heute schon jeder Mediator “schimpft” der ein Wochenendseminar besucht hat.
Somit kann das dem “Berufsbild” nur helfen.
Auch ich werde die Entwicklung des Verbandes gespannt verfolgen.
Vera Bütow
Qualitätsberaterin und
Wirtschaftsmediatorin
München
3. Bernd Bohnet | 23.Mai 2009 at 13:35
….. und wer ganz, ganz viele Seminare bei den Vereinen besucht hat, ist dann ein guter Mediator? Zertifiziert durch Seminarabhalter? Bitte um Entschuldigung für die etwas laxe Ausdrucksweise, aber genau das ist die Realität. So lange die Ausbildungsvereine sich weigern, ja noch nicht einmal daran denken, wirklich auch in der Praxis auszubilden, gestehe ich ihnen kein Zertifizierungsrecht zu.
Wenn ein Schwimmlehrer einen Nichtschwimmer zum Rettungsschwimmer ausbilden will, erklärt er ihm ja auch nicht nur, wie er zu “rudern” hat, und wirft ihn dann in´s “Tiefe”. Er muss schon aufpassen, dass sein Schützling nicht absäuft. Macht er das nicht, weil es nicht verlangt wurde, wird es bald an Rettungsschwimmer mangeln und nur wenige “Naturtalente” stehen für diese Aufgabe zur Verfügung.
(Wasserscheue werden an die Uni geschickt oder gehen gleich da hin. Die schreiben dann Bücher, wie man am besten schwimmen lernt. Einzige Voraussetzung: Regelmäßige Füßbäder).
Weil aber die Schwimmbadbetreiber ihre Bäder nicht schliessen können und wollen, wird schwimmen in öffentlichen Anstalten immer gefährlicher. Grad so, wie am Gericht.
Wenn die Mitglieder des Dachverbandes nicht als erstes diese Lage bedenken, wird er vom Gesetzgeber nicht als ernstzunehmender Ratgeber akzeptiert werden können. So wie es aussieht, wird der neue Verband nichts anderes anzubieten haben, wie die bislang “Abtrünnigen”.
Die Hoffnung nie verlassend
Bernd
4. Ali Leyendecker | 25.Mai 2009 at 10:49
Mediation hat sehr viel mit Akzeptanz und Differenzierung zu tun,, daher bitte nicht pauschal urteilen. Ich bin in der Zertifizierungskommission beim BMWA, hier bekomme ich mit, welche Anstrengungen konzeptionell gemacht werden, um eine gute Ausbildung durchzuführen.
Meine Ansprüche - als Pädagoge - sind fachlich gesehen recht hoch und befinden sich in einer permanenten Entwicklung - ebenso wie die Mediation und das Umgehen mit dem Mediationsverfahren.
Mit nun fast 300 Mediationen, fast nur “Psychologische Mediation” mit Tiefenstrukturen also - kann ich nur sagen es ist derzeit nicht möglich ein Urteil wie oben abzugeben. Die persönlichen Erfahrungen des Autors möchte ich gerne so stehen lassen.
Was derzeit die Mediationsausbildung im Rahmen des Curriculum diskutieren sollte ist nach meiner Auffassung:
- was und wieviel soll an Selbsterfahrung in die Ausbildung?
- wie kann ich im Rahmen der Ausbildung Haltung didaktisch vermitteln, der Referent als Modell reicht da nicht.
- wie können die Teilnehmenden an der Ausbildung zu ihrem eigenen Mediationsstil finden - wie kann die pädagogische begelitung aussehen.
- wie können die angehenden Mediatoren und Mediatorinnen ihre “Grenzen” finden - wie ist der didaktische Weg dahin?
Aus meiner Erfahrung benötigt die Mediationsausbildung eine besondere Didaktik - diese ist zu entwickeln.
mit besten grüssen
ali leyendecker
AL-Institut Piesport, Annerkanntes Ausbildungsinstitut BMWA
5. Bernd Bohnet | 25.Mai 2009 at 22:26
Ich bitte nochmals um Nachsicht für meine etwas drastische Darstellung der Dinge. Aber momentan geht es ausschließlich darum, wie das Mediationsverfahren als Alternative zum Prozess in unser Rechtspflegesystem eingebunden werden kann. Ein Quantensprung in der Rechtspflege.
Auch nach meiner Ansicht benötigt die Mediationsausbildung eine besondere Didaktik und die beste Methode des Unterrichts ist immer noch die Praxis (selbst wenn man nur dabei ist). Das ist es, was fehlt und kann mit nichts ersetzt werden.
6. “Vom Paulus zum Sau&hellip | 22.Juni 2009 at 14:13
[…] Deutschlands Mediatoren vereinigen sich […]
Ihr Kommentar
Folgende HTML-Tags sind erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>
Trackback diesen Artikel | Kommentare als RSS Feed abonnieren