BAFM stellt sich ins Abseits!
30.März 2009 Brinkmann
Die Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V. (BAFM) hat durch ihren Vorsitzenden Christoph C. Paul eine Entscheidung von besonderer Tragweite getroffen. In einem Brief vom 03. März wird den Mitgliedern des Deutschen Forums für Mediation (DFFM) mitgeteilt, dass die BAFM ihre Mitgliedschaft im DFFM vorläufig ruhen lässt. Als Begründung wird insbesondere auf die Mitarbeit der BAFM im Mediations-Expertengremium des Bundesministeriums der Justiz verwiesen, das zur Umsetzung der EU-Richtlinie in ein nationales Mediationsgesetz im letzten Jahr ins Leben gerufen wurde. Auf die Arbeit in dieser Expertenrunde möchte die BAFM laut Sprecher Paul ihre Kräfte konzentrieren. Zudem seien nach Ansicht der BAFM fast alle Vertreter des DFFM im Expertengremium des Justizministeriums vertreten. Im letzten Absatz des Briefes dankt Paul den Mitgliedern des DFFM im Namen der BAFM für die kollegiale Zusammenarbeit, die in vielen individuellen Projekten fortgesetzt werden soll. Desweiteren sollen die vielen geknüpften Kontakte weiterhin mit Leben erfüllt werden.
Machen wir uns nichts vor, neben den freundlchen Worthülsen, die zum guten und standesgemäßen Ton unter Kollegen gehören, lautet die Kernbotschaft der BAFM: Wir wollen nicht mehr mit Euch auf einer gemeinsamen formalen Ebene in den Dialog treten und können unsere Interessen auch alleine bzw. auf andere Weise erreichen!

“Irrweg” Foto: AdreasF., Quelle: photocase
In mehreren Beiträgen habe ich schon über die suboptimalen Zustände im Deutschen Forum für Mediation berichtet. Dieser Brief ist der traurige Beleg für die Situation und der vorläufige Tiefpunkt der bisherigen Geschehnisse. Aus meiner Sicht ist die Botschaft die von der BAFM ausgesendet wird für die Mediation ein Gau. Sie signalisiert Außenstehenden, dass die Mediatoren nicht weiter den gemeinsamen Dialog suchen. Die BAFM erweist mit ihrem Rückzug der Mediation einen Bärendienst und stellt sich selbst ins Abseits.
Es ist schlimm, dass ausgerechnet die BAFM-Mitarbeit im Expertengremium der Mediation des Bundesministeriums der Justiz als Begründung für den Rückzug aus dem Deutschen Forum für Mediation herhalten muss. Das Expertengremium wurde von der Justizministerin sicher nicht gegründet, damit die beteiligten Mediationsvereine andere wichtige Aufgaben vernachlässigen. Zudem wird das Gremium nur temporär Bestand haben, während das DFFM mit dem Anspruch gegründet wurde, dauerhaft den Dialog zwischen den Mediationsvereinen zu führen. Zudem frage ich mich, ob ein Verein von der Größe und dem Gewicht, was sich die BAFM ansonsten gerne zuspricht, wirklich nicht genügend Ressourcen zur parallelen Mitarbeit im DFFM und in der Expertenrunde besitzt. Ich bin mir sicher, dass es auch in der BAFM qualifizierte und engagierte Mitglieder gibt, die gerne zur Mitarbeit im DFFM bereit sind. Und ein Blick in die Teilnehmerlisten des DFFM und des Expertengremiums belegt, dass die Teilnehmer keinesfalls identisch sind. Zudem haben aus meiner Sicht das DFFM und das Expertengremium völlig unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen. Es müssen andere Interessen der BAFM ausschlaggebend für den Rückzug aus dem DFFM sein.
Möglicherweise führt der Rückzug der BAFM aus dem DFFM auch zu einer vereinsinternen Zerreißprobe in der BAFM. Steht die Mehrheit der BAFM Mitglieder wirklich hinter dieser Vereinspolitik der Abnabelung? Oder gibt es eine (noch schweigende) Mehrheit, die sich eine Kooperation der Verbände beispielsweise in Form des DFFM wünscht? Wahrscheinlich wird auch so manches (potentielles) Mitglied die BAFM nun in einem anderen Licht sehen. Ich vermute, dass sich der Vorstand der BAFM bei ihrer nächsten Mitgliederversammlung manch unangenehme Fragen von ihren Mitgliedern gefallen lassen muss.
Geschädigt ist auch die Verhandlungsposition der Mediationsvereine gegenüber der Politik. Wie können gemeinsame Mediationsinteressen vertreten werden, wenn man sich untereinander uneins ist und nicht geschlossen auftritt? Ich höre schon jetzt die Kritiker der Mediation mit dem berechtigten Vorwand ” Ihr Mediatoren könnt euch ja selbst nicht einigen und untereinander in den Dialog treten!”. Es bleibt zu hoffen, dass sich dies noch nicht auf die wichtigen Verhandlungen im Expertengremium auswirkt.
Die Last, Verantwortung und Chance zur Weiterarbeit im Deutschen Forum für Mediation haben nun die verbliebenen Vereine zu tragen. Ich will die Hoffnung nicht aufgeben, dass diese weiterhin trotz unterschiedlicher Auffassungen einen gemeinsamen kooperativen Weg finden. Am 02. Mai ist in Frankfurt der Zeitpunkt bei der nächsten DFFM Versammlung. Das schlechte Beispiel der BAFM darf nicht die Runde machen. Die verbliebenen Mediationsvereine müssen zum Wohle und im Geist der Mediation versuchen gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Auch wenn sich die BAFM selbst ins Abseits gestellt hat, sollte in Zukunft weiter die Chance ihrer Mitarbeit im DFFM bestehen.
Für mich ist dies ein schwarzer Tag für die Mediation und insbesondere für die BAFM!
Lesen Sie dazu im ADR-Blog auch:
“Das babylonische Stimmengewirr der Mediation”
“Deutsches Forum für Mediation - quo vadis?”
“Deutsches Forum für Mediation - Selters statt Sekt!”
Artikel gespeichert unter: Verbände
bisher 6 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben
1. Bernd Bohnet | 31.März 2009 at 02:08
Ich will es einmal mit einem Gedankenspiel sagen, wie ich das sehe.
Ein Gelddruckereibetrieb will nur eines, nämlich, dass er einen Alleinauftrag von der Bundesbank zum Gelddrucken bekommt, und weil er glaubt, der Bundesbank klar machen zu können, dass nur er es am besten kann, und die anderen das nicht oder nicht so gut, bewirbt er sich allein (!) oder mit nur anderen, mit denen er allenfalls noch kooperieren kann oder muss.
Ganz besonders dann, wenn bekannt ist, dass dringend Geld gedruckt werden muß (Befehl aus Europa).
Dabei sind die Geldscheine, die herzustellen sie derzeit in der Lage sind, zu 90 % allenfalls für Monopoly geeignet.
Hoffentlich schaut sich das Gremium zur Vergabe des Auftrages auch das Herstellungsverfahren genau an, um das Resultat richtig würdigen zu können. Geschieht das nicht, und kommen die (echt aussehenden) Musterscheine dann in Umlauf, werden diese im Zahlungsverkehr keinen Wert haben.
Der Bürger merkt´s
Die Ausgeschlossenen müssen nun beweisen, dass nur ihr, jetzt neues, Herstellungsverfahren, wirklich gute Scheine hervorbringt, die jeder mit gutem Gewissen als Zahlungsmittel anerkennen kann.
Die können sich dann auch mit gutem Gewissen und großen Erfolgsaussichten bewerben. Auf die Tauglichkeit in der Praxis kommt es an, nicht darauf, wie lange man gebraucht hat, um die Scheine zu drucken.
2. N. Sasse | 31.März 2009 at 17:09
Warum bringt die BAFM nicht den Mut auf und erklärt ihren Rückzug und deren Hintergründe persönlich durch einen Vertreter in einer Sitzung des DFFM anstatt einen unpersönlichen kurzen Brief zu schreiben?
Allein diese Form der Erklärung ist ein Armutszeugnis für die BAFM und wirft kein gutes Licht auf die Mediation.
3. Alexander Scholl | 06.April 2009 at 11:10
Wo ist die Grenze? Wann kann man noch Mediation anwenden, um mit gesundem Menschenverstand eine interessengerechte und zukunftsorientierte Lösung zu finden, wann liegen pathologische Fälle vor, die einer Therapie bedürfen?
4. Eintracht statt Zwietrach&hellip | 06.April 2009 at 14:53
[…] Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V. (BAFM) hat im März leider angekündigt, ihre Mitgliedschaft im Deutschen Forum für Mediation (DFFM) ruhen zu lassen (Lesen Sie dazu “BAFM stellt sich ins Abseits!“). Dies könnte einen Domino-Effekt auslösen, der fatale Folgen für das Image der Mediation in der Öffentlichkeit haben könnte. Die Befürchtung basiert auf einer Entscheidung des Bundesverbandes Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt e.V. (BMWA). Gestern teilte der BMWA in einer kurzen E-Mail durch seine Vorsitzende Martina Wurl den anderen Mitgliedern des DFFM mit, dass der BMWA ebenfalls seine Mitgliedschaft im DFFM in der näheren Zukunft ruhen lässt. […]
5. Das Mediations-Trauerspie&hellip | 27.April 2009 at 12:29
[…] Das Mediations-Trauerspiel geht durch diese Posse des BM weiter (Lesen Sie zu den bisherigen Ereignissen beispielsweise hier und dort). Es verwundert schon stark, dass der BM-Vorstand erst eine Woche vor der DFfM-Sitzung zur Erkenntnis gelangt, dass die zeitlichen Ressourcen innerhalb des Vorstands nicht ausreichen. Erneut muss die Tätigkeit innerhalb der Expertenrunde des BMJ als schlechte Begründung herhalten. […]
6. “Vom Paulus zum Sau&hellip | 22.Juni 2009 at 14:29
[…] BAFM stellt sich ins Abseits […]
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