Das babylonische Stimmengewirr der Mediation

12.März 2009 Brinkmann

Für viele Mediatoren ist das babylonische Stimmengewirr der Mediation nicht nachvollziehbar. Unzählige Mediationsvereine und Gruppierungen versuchen sich in der Öffentlichkeit Verhör zu verschaffen. Dies gelingt einzelnen Vereinen zum Teil ganz gut, anderen weniger gut. Das Ergebnis dieser Stimmenvielfalt ist für die Öffentlichkeitswirkung der Mediation fatal. Es wird keine einheitliche und abgestimmte Botschaft vermittelt. Die Mediationsvereine hinterlassen ungewollt einen verwirrten und ratlosen Bürger.

babylon.jpg

Foto: Henning H. Ramm, Quelle: Pixelio

Es ist nachzuvollziehen, dass dieser Bürger im Streitfall lieber auf das bewährte und vertraute Gerichtsverfahren zurückgreift oder neuerdings gar auf die gerichtliche Mediation vertraut. Im Gegensatz zu den außergerichtlichen Mediatoren präsentieren sich die Richtermediatoren einträchtig und abgestimmt, gewinnen die Justiz und Politik für sich und predigen medien- und öffentlichkeitswirksam landein, landauf über die Vorteile der gerichtlichen Mediation.

Machen wir uns nichts vor, während es am Anfang der Projekte zur gerichtlichen Mediation von der Justiz noch hieß, die gerichtliche Mediation würde nur übergangsweise eingeführt, um die Öffentlichkeit auf die Mediation aufmerksam zu machen und so die Schwelle zur außergerichtlichen Mediation zu beseitigen, ist die gerichtliche Mediation nun fester Bestandteil geworden. Nach all den Lobeshymnen der Richterschaft und der Justizminister für die gerichtliche Mediation wird niemand mehr auf die Idee gekommen, die gerichtliche Mediation abzuschaffen. Nein, ich bin überzeugt, die gerichtliche Mediation wird sogar konsequent ausgebaut werden.

Der Gedanke, dass sich über die gerichtliche Mediation die außergerichtliche Mediation stärker verbreiten wird, hat sich als trügerisch erwiesen. Ich sehe die große Gefahr, dass die Bürger zukünftig mit dem Begriff Mediation als erstes die gerichtliche Mediation in Verbindung bringen. Dass die gerichtliche Mediation nur einen sehr kleinen (und berechtigten) Abschnitt der Mediation abdeckt, es sich bei der gerichtlichen Mediation oftmals mehr um mediative Vergleichsverhandlungen statt um richtige Mediationen handelt und viele Richtermediatoren nicht im Ansatz solch eine umfangreiche Mediationsausbildung absolviert haben, wie manch anderer außergerichtlicher Mediator, bleibt vielen Bürgern im Verborgenen und wird verständlicherweise auch nicht hinterfragt.

Die außergerichtlichen Mediatoren und insbesondere die Verantwortlichen in den Vorständen der Mediationsvereine müssen erkennen, dass der bisherige Weg des babylonischen Stimmengewirrs die Mediation in die Sackgasse führte und den sicher von allen gewünschen Aufschwung der außergerichtlichen Mediation verhinderte. Mein Eindruck ist, dass insbesondere an der Basis mehr und mehr Unmut über die jetzige Situation geäußert wird. Es ist unerträglich, dass losgelöst von den unterschiedlicher Sichtweisen um Ausbildungsstandards und Zulassungsvoraussetzungen keine gemeinsamen Schnittmengen zwischen den Mediationsverbänden gefunden werden. Nur ein einheitliches, kooperatives Miteinander kann zu einer positiven öffentlichen Wahrnehmung der Mediation führen.

Das Deutsche Forum für Mediation sollte die Mediationsverbände zusammenführen. Es gab im Forum sehr viele sehr gute Ansätze der Zusammenarbeit. Beispielsweise sollte anfangs ein einheitliches Marketing-Konzept auf den Weg gebracht werden. Leider verliefen alle guten Ansätze im Sande. Momentan besteht aus meiner Sicht gar die Gefahr, dass das Deutsche Forum für Mediation zerbricht und zu einer losen Runde des Informationsaustauschen verkommt. In der Zwischenzeit werden andere Gruppierungen wie beispielsweise die Befürworter der gerichtlichen Mediation bestimmt die Zeit zu nutzen wissen.

Dabei ist die Grundidee des Deutschen Forums für Mediation richtig! Nur an einem Tisch und im Dialog kann das babylonischen Stimmengewirr aufgelöst werden, damit die Mediation in der Öffentlichkeit das Gewicht und die Stimme bekommt, die sie verdient. Es müssen im Deutschen Forum für Mediation schnell Organisationsstrukturen geschaffen werden, die zu einer effektiven Arbeitsweise führen. Die Beteiligten müssen gerade in der jetzigen Situation nach vorne schauen und gemeinsame Wege erarbeiten.

Die nächste Chance kann auf der der nächsten Sitzung am 02. Mai genutzt werden. Ich bin wie viele andere Mediatoren sehr gespannt!

Lesen Sie dazu auch im ADR-Blog:

“Deutsches Forum für Mediation - quo vadis?” und “Deutsches Forum für Mediation - Selters statt Sekt!”

Artikel gespeichert unter: Gerichtsmediation, Verbände

bisher 6 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Alexander Scholl  |  12.März 2009 at 17:26

    La médiation est mort, vive la médiation. Lasst uns die alten Seilschaften begraben und die Idee der Mediation wird weiterleben. Wenn Sie schreiben, dass unzählige Mediationsvereine und Gruppierungen versuchen, sich in der Öffentlichkeit Verhör zu verschaffen, dann will ich ergänzen: um sich ein schönes großes Stück vom kleinen Kuchen zu sichern und alle anderen vom Genuss auszuschließen.

    Es geht den einzelnen Vereinen und Verbänden doch gar nicht (mehr) um die Mediation als solche. Es geht nur darum, sich zu profilieren und abzugrenzen. Mit einer solchen Truppe, in der jeder eine eigene Strategie verfolgt, lässt sich kein Siegeszug antreten.

    Was meinen Sie, welche Mitgliedschaft für unsere Klientel das Auswahlkriterium für einen Mediator ist: BAFM, BM, BMWA, CfM, DGM, DGMW, FMÖB, DAV oder eucon? - Um nur ein paar der bekannteren Zusammenschlüsse zu nennen. - Hinter all diesen unverständlichen Buchstabenkombinationen verstecken sich unterschiedliche Qualitäts- aber auch Alleinansprüche. Durch diese Selbstfixierung wird ein klar definiertes Berufs- und Tätgkeitsbild des Mediators verhindert. Wie soll da Nachfrage entstehen?

    Ihren Beitrag habe ich genutzt, die Homepage des Deutschen (!) Forums für Mediation - ich hatte schon gedacht, dieses gibt es gar nicht mehr - anzuklicken. Es erscheint: http://www.dffm.de verlangt einen Benutzernamen und ein Passwort. Ausgabe der Website: “DFfM Demo”.
    Es scheint sich um einen closed shop in der Krise zu handeln. Deckel drauf.

  • 2. Bohnet  |  13.März 2009 at 20:28

    Endlich einmal klare Worte!

    Ich verstehe die RichterInnen, die Mediationen machen, weil sie dadurch eine größere Zufriedenheit mit dem Ergebnis ihrer Arbeit erlangen können. Zur Verbreitung des Mediationsgedankens hat dies allerdings nicht beigetragen. Derzeit profilieren sich nur kurzsichtige (Länder)JustizministerInnen damit, an ihren Gerichten Mediationen anzubieten. Für jeden Realisten ist doch klar absehbar, dass schon die knappen Kassen der Länder bewirken werden, dass nunmehr dem heute üblichen “Zwangs”Vergleich das Mäntelchen des (Gerichts)Mediationsvertrags übergehängt wird. Man braucht sich ja nur das Drängen der Länderjustizministerkonferenz anzusehen, endlich das Prozesskostenhilfebegrenzungsgesetz zu verabschieden, das die derzeit gängige, meiner Ansicht nach verfassungswidrige, Praxis zementieren soll.

    Ein Richter hat Recht zu sprechen (Sir Gavin Lightman) und nicht damit zufrieden zu sein, wenn die Parteien bei einem Vergleich “gleichmäßig unzufrieden” sind. Die Richterschaft so zu entlasten, dass sie für ihre eigentliche Aufgabe genügend Zeit hat, kann nur die aussergerichtliche Mediation schaffen.

    Dies zu verhindern, sind unsere Mediationsvereine und Verbände voll dabei. Sie sind genau so eigen- und kurzsichtig, wie die o.g. Politiker. Besonders geärgert hat mich (trotzdem vielen Dank Herr Koll. Scholl), dass ich nicht auf die Homepage des Deutschen Forums für Mediation gekommen bin. Was gibt es zu verheimlichen? Doch nicht etwa, dass sie sich für allein zuständig und kompetent halten, Ausbildung zu machen und dass nur eine möglichst große Anzahl von ihren Seminaren zur Mediation befähigen? Das weiss ich schon lang. Und dass die Justizministerin das gafälligst auch zu glauben hat? Für so einfältig darf man sie nicht halten!

    So lange die Vereine und Verbände nicht wirklich praxisfähige (also auch in der Praxis ausgebildete) MediatorInnen hervorbringen und sie sich nicht um die Verbreitung des Mediationsgedankens kümmern, sägen sie an dem Ast, auf dem sie sitzen. Andere werden dann in der Tat den Deckel zu und es besser machen.

  • 3. N. Sasse  |  17.März 2009 at 14:04

    “In der Not frisst der Teufel Fliegen!”

    Ich hoffe sehr, dass die Verbandsvertreter der Mediation am 02. Mai die “Notlage” endlich erkennen und die Fliegen, die vielleicht auch auf den ersten Blick wie eine “Kröte” wirken, fressen.

    Aber auch die Justizminister müssen endlich handeln! Das Lobgesang auf die gerichtliche Mediation ist veraltet und hat seine Schattenseiten. Und obschon alle Justizminister grundsätzlich gänzliche Formen der außergerichtlichen Streitbeilegung in den höchsten Tönen loben, hat beispielsweise noch kein einziger Justizminister ein wegweisendes, nachhaltiges Projekt zur Förderung der außergerichtlichen Mediation auf den Weg gebracht.
    Auch auf diesen Missstand sollte häufiger verwiesen werden. Es wäre schön, wenn die Verantwortlichen der Justizpolitik die Chance, die in der außergerichtlichen Mediation liegt, endlich nutzen!

  • 4. Mirko Haas  |  25.März 2009 at 07:54

    Es bleibt nur zu hoffen, dass die Vertreter der Verbände auf dieser Seite regelmäßige Leser sind!

    Bereits in mehreren Gruppen auf XING wird ähnliches diskutiert, aber auch dort hat bis heute und trotz meiner Mail an alle Verbände weder ein Verbandssprecher (von welchem Verband auch immer) reagiert, noch habe ich eine direkte Antwort von den Verbänden erhalten.

    Ich ziehe daraus für mich mal folgenden Schluss: Da es den Verbänden scheinbar egal zu sein scheint, was ihre Mitglieder wollen, ist es mir (erstmal) auch egal, was die Verbände von mir wollen, nämlich mein Geld.

  • 5. BAFM stellt sich ins Abse&hellip  |  30.März 2009 at 19:35

    […] “Das babylonische Stimmengewirr der Mediation” […]

  • 6. Deutschlands Mediatoren v&hellip  |  18.Mai 2009 at 17:29

    […] Mit der formalen Gründung des DFfM wird hoffentlich das babylonische Stimmengewirr unter den Mediatoren beendet. Es ist davon auszugehen, dass eine professionelle Geschäftsstelle gegründet und eine sehr gute Homepage errichtet wird, so dass den vielen Interessenten der Weg zur Mediation erheblich erleichtert wird. Die repräsentative Struktur des neuen Vereins und die unbestreitbare Fachkompetenz auf dem Gebiet der Mediation bildet die Grundlage, als beleihungsfähige Organisation auch hoheitliche Aufgaben zur Selbstverwaltung der Mediatorentätigkeit und der Zertifizierung wahrzunehmen. Die Übertragung von hoheitlichen Aufgaben der Selbstverwaltung werden gerade vom “Mediations-Expertengremium” angedacht, das vom Justizministerium eingerufen wurde (Lesen Sie dazu hier und dort mehr). Das Deutsche Forum für Mediation DFfM e.V. dürfte für diese wichtige Aufgabe nun geradezu prädestinier sein. […]

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