Friedensnobelpreiskomitee stärkt erneut die Kunst des Vermittelns
12.Oktober 2008 Brinkmann
Das norwegische Friedensnobelpreiskomitee verleiht den Friedenspreis in diesem Jahr an den Finnen Martti Ahtisaari. Der 71 jährige Diplomat, Ex-Präsident und UNO-Spitzenbeamte hat über drei Jahrzehnte unermüdlich an der Lösung internationaler Konflikte als Vermittler mitgewirkt. So leitete er die Verhandlungen der Vereinten Nationen, die 1990 nach jahrzehntelangen Konflikten zur Unabhängigkeit Namibias führten. Zudem wirkte Ahtisaari im Jahr 2005 maßgeblich bei den Vermittlungstätigkeiten um das Ende des Bürgerkriegs in der indonesischen Provinz Aceh mit. Ab Februar 2006 leitete er die Verhandlungen über den künftigen Status der unter UNO-Verwaltung stehenden serbischen Provinz Kosovo.
Aus Mediationssicht ist von besonderer Bedeutung, dass das Friedensnobelpreiskomitee erneut die Kunst des mediativen Vermittelns mit dem Friedenspreis ehrt und damit erheblich stärkt. So erinnert die Preisverleihung in seiner Ausstrahlung stark an den für den früheren Ex-Präsidenten Jimmy Carter im Jahr 2002. Auch Carter hatte unbestrittene Verdienste als Vermittler in Krisenregionen. Jedem Mediator sollten seine mediativen und erfolgreichen Vermittlungsgespräche bekannt sein, die zum legendären Camp-David-Abkommen führten.
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1. Bohnet | 12.Oktober 2008 at 20:55
Die Unermüdlichkeit und Geduld dieses Mannes ist für mich bewundernswert. Ganz besonders aber, dass es ihm gelungen ist, “Schiiten, Sunniten und Kurden aus dem Irak an einen Tisch zu bekommen.”
Das Kernproblem, mit dem die Mediationsbewegung derzeit bei uns zu kämpfen hat, ist nämlich die Frage: “Wie bekomme ich die andere Seite an einen Tisch?” Auf Dauer wird sich diese Frage (die häufigste, die, zumindest an mich, gestellt wird) wohl nur mit der Geduld des Nobelpreisträgers erübrigen. Dazu müsste sich nämlich der Zeitgeist ändern. Derzeit scheint mir die Bereitschaft der Menschen zur Mediation sehr oft eher aus der Not heraus zu kommen, was allerdings immer noch besser ist, als sich und anderen zu schaden oder gar den Ruin in Kauf zu nehmen.
Gerade dieser Nobelpreis war für die Mediation überfällig.
Bernd Bohnet
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