Rückblick Konfliktmanagement-Kongress 2008
23.Juni 2008 Brinkmann
Am Samstag wurde der 5. Konfliktmanagement-Kongress in Hannover abgehalten. Dieter Schneidewind, Präsident des Landgerichts in Hannover, konnte als Hausherr in seinem Grußwort mit voller Stolz vermelden, dass sich der Zuspruch mit über 360 Teilnehmern erneut im Vergleich zum Vorjahr erhöht hat. Auch der Niedersächsische Justizminister Bernd Busemann begrüßte die Teilnehmer und machte unmissverständlich deutlich, dass sich die Niedersächsische Regierung ihrer Vorreiterrolle im Bereich der Mediation bewußt ist und insbesondere die außergerichtliche Mediation in Zukunft fördern werde.
Gute Anhaltspunkte, wie solch eine zukünftige Förderung aussehen könnte, lieferte Prof. Dr. Stephan Breidenbach in seinem hörenswerten Vortrag “Möglichkeiten der Förderung von Mediation”. Er verdeutlichte, dass Medianten nicht nur inhaltliche Interessen in Entscheidungssituationen haben, sondern ebenfalls Verfahrensinteressen. Konfliktparteien muß verdeutlicht werden, dass es eine Vielzahl an Verfahren gibt, mit denen Konflikte gelöst werden können. Erst im Bewußtsein dieser Verfahrensvielfalt, bei der Mediation ein zentrales Element einnimmt, könne dann das spezifische Verfahren durch die Konfliktparteien ausgesucht werden. Diese Verfahrensinteressen müssen nach Breidenbach systemisch gefördert werden. Beispielhaft wurde im Vortrag der “Frühe erste Termin” innerhalb des Gerichtsverfahrens genannt. Hier besteht die Möglichkeit auf andere Verfahrensalternativen hinzuweisen. Zudem könne man sich am amerikanischen Konzept des Multi-Door-Courthouse orientieren.
Nach dem Einstiegsvortrag hatten die Teilnehmer des Kongresses die Möglichkeit zur Teilnahme an Workshops. Von den fünf angebotenen Workshops hatte ich mich für das Forum “Konfliktmanagement und öffentliche Verwaltung - zwei Welten?” entschieden. Geleitet wurde diese Veranstaltung sehr kompetent von Prof. Dr. Horst Zilleßen und Prof. Dr. Thomas Pfisterer aus der Schweiz. Vorgestellt wurde das schweizerische Verwaltungsverfahren, in dem in Art. 33 b VwVG Mediation gesetzlich im Verwaltungsverfahren verankert wurde. Als Praxisbeispiel berichtete Horst Zilleßen sehr anschaulich über seine Mediationsverfahrungen während der Mediation zum Ausbau des Wiener Flughafens.
Aus meiner Sicht war dieser Workshop sehr lohnenswert. Die Teilnehmer erhielten einen tiefen Einblick in das Verfahren und die Referenten verloren sich insbesondere nicht in allgemeine Mediationsweisheiten. Kein Teilnehmer möchte schließlich mehr auf einem Mediationskongress eine ausführliche Rede über die Phasen und Grundsätze der Mediation hören. Nein, hier wurde es ganz konkret und die Teilnehmer erfuhren beispielsweise die Stundensätze des Mediationsteams während der Wiener Flughafenmediation, die konkrete Vorgehensweise, die Zahl der Stunden und Personen, die im Hintergrund dieser Mehrparteienmediation aktiv waren, die praktischen Probleme,… . Ich war froh, diesen Workshop gewählt zu haben, zumal jederzeit die Teilnehner aktiv in den Workshop einbezogen wurden.
Leider soll die Arbeit nicht in allen Foren so produktiv gewesen sein. Viel Kritik hörte ich aus dem Forum “Rückblick - Einblick - Ausblick”. Hier sollte insbesondere über “Mediation und Gesetz” diskutiert werden. Meines Wissens soll die Diskussion nur sehr oberflächlich geführt worden sein. Am Ende standen auf der Flipchart beispielsweise nur allgemeine Floskeln, die selbst mit der ursprünglichen Fragestellung nicht mehr viel zu tun hatten. So mancher Workshopteilnehmer war am Ende enttäuscht. Schade, wo doch gerade dieses Thema höchst aktuell ist.
Insgesamt fällt mein persönliches Fazit aber sehr gut aus. Es wurden die richtigen Themen gewählt und insbesondere stimmt der Rahmen vom Preis, den Räumlichkeiten bis hin zur Verpflegung. Der Konfliktmanagement-Kongress ist zu einer festen Institution mit eigenem Charme geworden. Ich wünsche mir, dass diese Möglichkeit des Erfahrungs- und Wissensaustauschs auch in den nächsten Jahren erhalten bleibt.
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bisher 4 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben
1. Konfliktmanagement Kongre&hellip | 23.Juni 2008 at 15:24
[…] Konfliktmanagement Kongreß 2008 Sie haben am Wochenende den Konfliktmanagement-Kongreß 2008 in Hannover verpaßt? Einen ausführlichen Bericht mit persönlicher Stellungnahme finden Sie auf dem ADR-Blog unseres Kollegen Marcus Brinkmann. […]
2. Landgerichtspräsident kr&hellip | 26.Juni 2008 at 19:46
[…] Auf dem Konfliktmanagement-Kongress hat der Präsident des Landgerichts Hannover Dieter Schneidewind in seinem Grußwort das Verhalten der Niedersächsischen Landesbehörden im Konfliktfall öffentlich kritisiert. Der Präsident wirft den Landesbehörden vor, sich kategorisch der gerichtlichen Mediation zu verschließen. Beispielhaft nannte Dieter Schneidewind Baukonflikte, in denen das Land Niedersachsen beteiligt ist. Ihm sei kein Fall bekannt, in dem das Land Niedersachsen im Vorfeld des Gerichtsverfahrens einer Mediation zugestimmt hätte. Gerade Baukonflikte würden wichtige Ressourcen innerhalb des Gerichts lange Zeit blockieren. Widersprüchlich sei das Verhalten insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Niedersächsische Justizministerium stetig die Vorzüge der Mediation preist und sich bundesweit in einer Vorreiterrolle im Bereich der Mediation sieht. […]
3. KM-Kongress: Rückblick u&hellip | 02.Dezember 2008 at 10:29
[…] Ein aktueller Besuch auf den Internetseiten des vom Niedersächsischen Justizministeriums organisierten Konfliktmanagement-Kongresses lohnt sich. Zum einen finden sich die in den Workshops erarbeiteten Ergebnisse als Download und der Betrachter kann den KM-Kongress 2008 mittels der Fotos Revue passieren lassen. Gerne verweise ich für einen Rückblick auch auf den passenden Beitrag im ADR-Blog. […]
4. Mediation bei sozialrecht&hellip | 26.März 2009 at 13:18
[…] In Deutschland gibt es erste gute Projekte mit beachtenswerten Erfolgen, die den Einsatz von Mediation auch bei sozialrechtlichen Streitigkeiten verfolgen. Vorreiter war im Jahr 2006 das Pilotprojekt „Mediation im Gesundheitswesen”, das gemeinsam vom Landesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) in Niedersachsen-Bremen und dem Contarini–Institut der FernUniversität in Hagen initiiert wurde. Weitere Informationen finden Sie dazu im Newsletter Nr. 2 / 2007 der Deutschen Gesellschaft für Mediation und im Protokoll sowie einer Präsentation zum Workshop “Mediation und Sozialrecht” vom letzten KM-Kongress in Hannover. […]
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