Deutsches Forum für Mediation - quo vadis?
15.März 2008 Brinkmann
Heute jährt sich zum zweiten Mal die Entstehung des Deutschen Forums für Mediation. Gemeinsame Treffen der Teilnehmer des Forums finden allerdings schon seit März 2004 statt. So mancher Mediator wird sich die Frage stellen “Quo vadis Deutsches Forum für Mediation?”.

Der bisherige Weg war steinig. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Teilnehmer des Forums häufig auf der Stelle treten und sich gegenseitig blockieren. Zumindest gibt das Deutsche Forum für Mediation in der Öffentlichkeit wohlwollend gesagt ein suboptimales Bild ab (Lesen Sie dazu auch den Beitrag “Selters statt Sekt“) . Ein Mediationskollege meinte in Bezug zum Forum gar zu mir “Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!”. Nun ein Ende des Forums wünsche ich mir nicht, denn grundsätzlich ist es positiv, dass sich Verbandsvertreter zum Informations- und Erfahrungsaustausch treffen.
Die Ergebnisse des Deutschen Forums für Mediation sind bisher allerdings mehr als bescheiden. Eine erste Annäherung der Verbände ist nur in Teilen gelungen. Insbesondere der Bundesverband Mediation, die Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation und der Bundesverband Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt haben über das Forum zum Gespräch gefunden. Die Verbände haben beispielsweise ihre Standards in großen Teilen angeglichen und die gegenseitige Anerkennung ihrer Mediatoren erleichtert. Zudem schicken die Verbände turnusmäßig einen Vertreter in die European Mediation Network Initiative (EMNI).
Die sonstige Zusammenarbeit ist sehr von Misstrauen und Machtgebaren geprägt. Ungeschickt agierte beispielsweise der BAFM, als er den Mitgliedern des Forums seine Vorstellungen der künftigen Organisation des Forums präsentierte. Diese sah Mitglieder verschiedener Klassen und mit unterschiedlichen Stimmgewicht vor. Selbstverständlich war der BAFM ein Mitglied “1. Klasse”. Es verwundert nicht, dass insbesondere die Mitglieder “2. Klasse” von dieser Idee nicht begeistert waren.
Unstimmigkeiten gab es auch bei der Stellungnahme zum Niedersächsischen Mediationsgesetz. Nicht alle Teilnehmer des Forums beteiligten sich an der verbandsübergreifenden Stellungnahme. Zudem preschte die Centrale für Mediation mit einer eigenen Stellungnahme vor, obschon erst die Veröffentlichung der verbandsübergreifende Stellungnahme abgewartet werden sollte.
Die Homepage des Forums bleibt seit Monaten eine einzige Baustelle. Allein die Demoversion gewährt einen ersten Einblick. Über weitere Inhalte gibt es kein Einvernehmen.
Auch die Arbeitsorganisation des Forums ist in großen Teilen schlicht unprofessionell. Genannt sei nur ein Beispiel. Das Deutsche Forum für Mediation hat extra eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, in der Vertreter verschiedener Verbände Kriterien für eine gemeinsame Mediatorenliste aufstellen sollten. In zwei Sitzungen erfüllte die Arbeitsgemeinschaft nach intensiven Verhandlungen diese Arbeit. Der große Rückschlag erfolgte, als das einvernehmliche Ergebnis im Forum vorgestellt wurde. Plötzlich war das Ergebnis nicht mehr mehrheitsfähig. Wie frustierend für die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft. Scheinbar waren einige Verhandlungsführer innerhalb der Arbeitsgemeinschaft “Vertreter ohne Vertretungsmacht”, deren Ergebnis von ihrem eigenen Vorstand nicht mehr gebilligt wurde.
Dabei wäre nach meiner eigenen Auffassung eine gemeinsame Mediatorenliste des Forums sehr wichtig für die weitere Entwicklung der Mediation in Deutschland. Einer gemeinsamen Liste des Forums könnte sich der Gesetzgeber nicht entziehen. Wenn die Mediatoren in Deutschland in dieser Frage weiterhin keine Geschlossenheit demonstrieren, bleiben sie Getriebene des Gesetzgebers. Das Mediationsgesetz aus Niedersachsen zeigt, dass der Gesetzgeber in dieser Frage sonst eigene Wege geht. Die Selbstbestimmtheit der Mediationsverbände geht verloren.
Unklar war bis vor kurzer Zeit zudem, welche Kriterien an einer Mitgliedschaft im Deutschen Forum für Mediation gestellt werden. Anstoss für diese Debatte war die Anfrage einer Mitgliedschaft vom Verein “Integrierte Mediation” und vom “Bundesverband Mastermediation e.V.” . Nun ist man sich einig:
“Das Deutsche Forum für Mediation setzt sich aus Vertreter/innen überregional/bundesweit tätiger Organisationen zusammen, die die in der Präambel des DFFM genannten Ziele verfolgen, die auch die Interessen praktisch tätiger Mediator/innen vertreten und eine übergeordnete Organisationstruktur haben.”
Vor diesem Hintergrund wurden nun die beiden Verbände zur letzten Sitzung des DFFM am 12.03. in Kassel eingeladen.
Interessant wird sein, wie sich das Forum in Zukunft sieht und welche Organisationsstruktur angestrebt wird. Die Mitglieder investieren viel Zeit in den Versammlungen des Forums und der Arbeitsgemeinschaften. Die Kosten und der große Zeitaufwand können nur gerechtfertigt werden, wenn letztlich auch positive Schritte zum Wohle der Mediation zu verzeichnen sind.
Auch die Öffentlichkeitsarbeit über die Tätigkeiten des Forums muss verbessert werden. In den offiziellen Medien der teilnehmenden Verbänden findet sich bisher nur wenig über das Deutsche Forum für Mediation. Dies wird den Mitgliedern des Forums nicht gerecht, denen sicherlich Dank gebührt und die viel Zeit, Engagement und Herzblut dieser Sache opfern.
Ich hoffe, dass in Zukunft nicht individuelle Verbandsintressen im Vordergrund stehen, sondern die Mediation selbst und wünsche dem Deutschen Forum für Mediation einen guten Weg!
bisher 9 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben
1. Markus Sikor | 16.März 2008 at 12:20
Hallo,
danke für das Update über das “Deutschen Forum für Mediation”. So ganz blicke ich ja nicht durch, welche Interessen da so gegeneinander laufen, dass es anscheinend kaum weitergeht… Vielleicht wäre ja eine Mediation für das Mediationsforum mal eine Idee ? ;o)
Mit herzlichen Grüßen,
Markus Sikor
2. Stefan Hörnschemeyer | 16.März 2008 at 13:22
Ich glaube, den meisten Mediatoren ist gar nicht bewußt, welch trauriges Bild ihre Verbandsvertreter im Deutschen Forum für Mediation abgeben. Gerade unter Mediatoren sollte es doch möglich sein, gemeinsame Lösungen und Strategien zu erarbeiten.
Vielleicht stimmt einfach nicht die Beziehungsebene der Verhandlungspartner untereinander. Die Verbände könnten die jeweiligen Vertreter im Forum austauschen. Vielleicht klappt ein Miteinander dann besser. Aber auch die Idee einer “Mediation den Mediatoren!” finde ich überlegenswert.
3. Jose Pascal da Rocha | 22.März 2008 at 13:51
Verbandspolitik ist nun einmal die bestimmende Kultur in Deutschland. Das wird sich weder im Jetzt noch in der Zukunft ändern. Unverständlich bleibt, was dabei bewirkt werden soll. Exzellenznetzwerke werden somit nicht geschaffen. Die Politik dieser Verbände ist auch eine Ohrfeige an die Grundsätze der Mediation, Standards werden damit nicht geschaffen, sondern Privilegien zementiert, womit wir wieder an den Unterschied zwischen Positionen und Interessen gelangen. Diesseits wird von den derzeitigen Verbandsbestrebungen in Deutschland zum Thema Mediation nichts gehalten. Jeder sollte erst einmal mit sich selbst anfangen und seine Klienten dort abholen, wo sie abgeholt werden möchten, anstatt sich die Zeit mit Egozentrismus zu vertreiben. Standards werden von der Akzeptanz auf dem Markt gesetzt, und nicht durch Verbandspolitik. Mediation kommt derzeit in Deutschland nicht voran. Daher bin ich froh, wenn es einen solchen Blog wie dem Vorliegenden gibt, der sich unprätentiös und ganz der Sache widmet. Danke und weiter so! José Pascal da Rocha
4. Großes Rätselraten um E&hellip | 23.April 2008 at 15:17
[…] Es ist sicher interessant zu wissen, welche Mediationsverbände vom Bundesministerium der Justiz eingeladen wurden und damit “namhaft” sind. Die Auswahl kann bei der Vielzahl der Mediationsvereine nicht einfach gewesen sein. Fraglich ist sicher auch, ob das Deutsche Forum für Mediation (Lesen Sie mehr zum Forum hier und dort) einen Vertreter ins Gremium schickte. Dank einer schnellen Mitteilung des BMWA an seine Mitglieder kann ich nur mit Gewissheit sagen, dass Dr. Arnim Rosenbach für den BMWA im Expertengremium vertreten ist. Ich gehe davon aus, dass ebenfalls Vertreter des BM, der BAFM, der Bundesrechtsanwaltskammer und vom Deutschen Anwaltverein ins Gremium eingeladen wurden. […]
5. Weitere Annäherung der M&hellip | 13.Juli 2008 at 14:24
[…] Die Annäherung bestimmter Mediationsvereine untereinander ist wahrscheinlich die logische Konsequenz aus der gescheiterten Zusammenarbeit aller Mediationsvereine im Deutschen Forum für Mediation (Lesen Sie dazu beispielsweise hier und dort). Grundsätzlich ist aus meiner Sicht jede Annäherung zu begrüßen. Ich bin gespannt, wie andere Vereine reagieren werden und wie die Mediationsszene sich in Deutschland in Zukunft entwickeln wird. […]
6. Brinkmann | 14.August 2008 at 08:31
Update: Der Bundesverband Mastermediation e.V. wurde nun doch nicht zur Sitzung am 12.03. eingeladen, obschon dies (zumindest laut Protokoll) einstimmig beschlossen wurde.
Die Vorsitzende des Bundesverbands Mastermediation e.V. Edda Stellmach hat sich deshalb nun an Jutta Lack-Strecker vom BAFM gewandt, die die Patenschaft übernehmen sollte, um das weitere Vorgehen zu besprechen.
Persönlich gehe ich davon aus, dass es auch keine weitere Verhandlungen mit dem Verein “Integriete Mediation” gab.
Mein Eindruck ist, dass die gesamten Tätigkeiten des Deutschen Forums für Mediation seit Monaten ruhen. Wahrscheinlich wartet man auch die Ergebnisse des “Expertengremiums für Mediation” ab, das Bundesjustizministerin Zypries ins Leben gerufen hat.
7. Offene Diskussion zur wec&hellip | 06.Oktober 2008 at 18:33
[…] Viel zu oft habe ich den Eindruck, dass bei gemeinsamen Treffen von Verbandsvertretern wie beispielsweise dem Deutschen Forum für Mediation (Lesen Sie dazu insbesondere hier und dort) und selbst in Newslettern und Vereinszeitschriften nicht klar und eindeutig eigene Verbandsmeinungen kommuniziert und Stellung genommen wird. Kommentare in dieser Klarheit fehlen leider viel zu oft in der Mediationsszene. Dabei sind gerade sie ein Gewinn für die Weiterentwicklung der Mediation. Kungeleien und Entscheidungen in Hinterzimmern von Entscheidungsträgern werden der Mediation nicht gerecht! […]
8. Best of ADR-Blog 2008! - &hellip | 08.Januar 2009 at 10:53
[…] Deutsches Forum für Mediation - quo vadis? […]
9. Das babylonische Stimmeng&hellip | 12.März 2009 at 11:55
[…] “Deutsches Forum für Mediation - quo vadis?” und “Deutsches Forum für Mediation - Selters statt Sekt!” […]
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