Wegweisende Bundeskonferenz der Mediation

14.Juni 2007 Brinkmann

So kann man sich irren. Als ich die Einladung zur “Bundeskonferenz - Mediation in der Justiz” in Bielefeld vor drei Wochen gelesen hatte, war ich anfangs ein wenig skeptisch. Die Einladung wurde aus meiner Sicht mehr als kurzfristig veröffentlicht. Zudem empfand ich den Namen “Bundeskonferenz” ein wenig anmaßend, hatte ich doch eher eine kleine, nette, regionale Mediationsveranstaltung erwartet. Aber es kam gestern im positiven Sinne alles ganz anders.

Über 290 Personen (!) aus dem gesamten Bundesgebiet hatten sich für die Tagung angemeldet. Der Teilnehmerkreis war bunt gemixt. Von den Staatssekretären der Justiz von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, Politikern, Personen aus der Verwaltung, über Mediatoren, Richtern, Versicherungsvertretern, Wissenschaftlern bis zum Referendaren war alles vertreten. Dies tat der Veranstaltung sichtlich gut. Neben der Teilnehmerzahl übertraf aber insbesondere der Inhalt der Konferenz voll und ganz meine Erwartungen.

Die Veranstaltung war perfekt vorbereitet. Die Anmeldung war unkompliziert. Man erhielt sofort eine nette Anmeldebestätigung. Die Ravensberger Spinnerei war ein idealer Tagungsort. Tagungsunterlagen mit dem Programm, Thesen und Arbeitspapieren lagen griffbereit auf den Stühlen. Teilnahmebescheinigungen wurden ausgestellt. Der Service und die Bewirtung klappte gut, das Essen war lecker. Hier stimmte alles. Und man bedenke, die Teilnahme war kostenfrei!

Das Highlight der Veranstaltung war aus meiner Sicht der Vortrag “Mediation in der Justiz - Standortbestimmung und Ausblick” von Prof. Dr. Reinhard Greger. Herr Greger von der Universität Erlangen nahm zum einen auf einen aktuellen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts Bezug. In diesem Beschluss wird ausdrücklich der Vorrang der außergerichtlichen Streitschlichtung vor dem kontradiktorischen Verfahren betont. Prof. Dr. Reinhard Greger nahm zudem kein Blatt vor dem Mund und sprach sich explizit für eine Förderung der außergerichtlichen Mediation aus. Mediation ist eine Methode der konsensualen Konfliktlösung und keine Aufgabe der Judikative. Unmissverständlich und jederzeit kompetent machte Prof. Dr. Greger klar, dass Mediation hohe Ansprüche an Ausbildung, Qualitätssicherung und den Einsatz von Zeit sowie personellen Ressourcen erfordert. Diese Voraussetzungen sind in Zukunft mit den Kapazitäten der Justiz nicht flächendeckend zu erfüllen. Das vereinzelte Angebot der gerichtlichen Mediation führt in Deutschland zu Insellösungen, die nicht mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz vereinbar sind. Aus seiner Sicht muss deshalb nicht die gerichtliche sondern die außergerichtliche Mediation durch Qualitätssicherung, Transparenz, Öffentlichkeitsarbeit, Finanzierungshilfen, Bewusstseinsbildung bei den rechtsberatenden Berufen, Kooperation mit der Justiz und gesetzgeberischen Maßnahmen in Zukunft gefördert werden.

In dieser Deutlichkeit habe ich noch keinen Vortrag mit einer solch klaren Stellungnahme für die außergerichtliche Mediation vor erlesenen Publikum mit vielen Multiplikatoren gehört. Hier scheint sich ein Wandel in den Köpfen der Justiz abzuzeichnen. Danke, Herr Prof. Dr. Greger, für diese Analyse und Stellungnahme!

Am Nachmittag wurde in fünf Themenforen intensiver gearbeitet und diskutiert. Angeboten wurden die Foren “Brauchen wir ein Mediationsgesetz?”, “Gefährdet die Mediation den Rechtsschutz - Mediation: Ein Deal?”, “Außergerichtliche und richterliche Mediation - Konkurrenz oder Ergänzung”, “Mediation im öffentlichen Recht - Chancen und Risiken” und das Forum “Mediation - Neue Wege in der Rechtsschutzversicherung”. Ich habe im letztgenannten Forum mitgewirkt. Thomas Lämmerich vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft und der Diplomkaufmann und Mediator Olaf Mandel führten versiert in das Thema ein und machten die Chancen für die Mediation deutlich. In einem gesonderten Beitrag im ADR-Blog werde ich noch über die Ergebnisse dieses Forums berichten.

Die Konferenz endete mit einer Abschlussdiskussion und klang mit kollegialen Gesprächen aus. Viele “alte Gesichter” u.a. von meiner eigenen Mediationsausbildung habe ich wiedergesehen. Aber auch Kolleginnen, die ich beim Osnabrücker Mediationssymposium kennenlernen konnte, waren wieder präsent. Beim Anblick der Teilnehmerliste finde ich nur ein wenig schade, dass im Namen der “großen Mediationsverbände” (BM, BMWA, BAFM, …) kein offizieller Vertreter anwesend war. Da wurden die Möglichkeit von “Networking” und der Positionierung eindeutig verpasst. Aber vielleicht irrten sie sich ja auch über die Größe und Bedeutung der Bundeskonferenz - Mediation in der Justiz.

Artikel gespeichert unter: Veranstaltungen

bisher 7 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Christoph Stroyer  |  14.Juni 2007 at 07:38

    Vielen Dank für Ihr Update und die ausführliche Beschreibung der Konferenz. So ist man in der Lage, trotz des verpassten Termins auf dem Laufenden zu bleiben.

  • 2. Markus Sikor  |  14.Juni 2007 at 13:56

    Vielen Dank Herr Brinkmann für diesen anregenden und - in Bezug auf die Anerkennung der Mediation - hoffnungsmachenden Beitrag!

  • 3. In zwei Jahren über 1.00&hellip  |  16.Juni 2007 at 07:59

    […] In zwei Jahren über 1.000 Konfliktlösungen Über die Bundeskonferenz Mediation in der Justiz wurde hier bereits berichtet. Es findet sich ein ausführlicher und sehr lesenswerter Bericht über die Konferenz im ADR-Blog. Jetzt meldet der WDR auf seinen Internetseiten unter Berufung auf die Bundeskonferenz, dass im Rahmen des Justizmodells in OWL in den vergangenen zwei Jahren allein an den Landgerichten Paderborn und Detmold mehr als 1.000 Verfahren einvernehmlich beendet wurden. Mich würde interessieren, ob sich diese beeindruckende Zahl auf tatsächliche Mediationsverfahren bezieht oder auch reguläre Gerichtsvergleiche mit einbezieht. […]

  • 4. Konsensuale Konfliktlösu&hellip  |  25.September 2007 at 14:27

    […] Die Veranstalter haben aus meiner Sicht einen wahren Experten auf dem Gebiet der konsensualen Konfliktlösung eingeladen. Ich durfte Prof. Dr. Reinhard Greger erstmals auf der Bundeskonferenz der Mediation in Bielefeld erleben. In meinem Beitrag “Wegweisende Bundeskonferenz der Mediation” bin ich insbesondere auf die Inhalte des Vortrags von Prof. Dr. Reinhard Greger eingegangen. Sie sind aus meiner Sicht voll zu unterstützen und ich hoffe sehr, dass Sie auch in dieser Veranstaltung aufgegriffen werden. […]

  • 5. Mediation ist Anwaltssach&hellip  |  23.Mai 2008 at 14:04

    […] Weiterhin macht sich der Gutachter für die Schaffung eines rechtlichen Rahmens für die gerichtsinterne Mediation stark. Namhafte Kritiker, wie beispielsweise Prof. Dr. Reinhard Greger, stellen sich momentan die Frage, ob das vereinzelte Angebot der gerichtlichen Mediation überhaupt verfassungskonform ist, da es zu Insellösungen führt, die nicht mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz vereinbar sind (Lesen Sie dazu hier zum Vortrag von Reinhard Greger auf der Bundeskonferenz der Mediation). […]

  • 6. Massive Kritik an gericht&hellip  |  05.Juni 2009 at 15:20

    […] Ich bin mir sicher, dass in naher Zukunft die Diskussion über die gerichtliche Mediation intensiv weitergeführt wird. Die Autoren sind schließlich nicht die ersten, die mit Ihrer Kritik an die breite Öffentlichkeit gehen. Schon auf der Bundeskonferenz Mediation im Jahr 2007 in Bielefeld hat Prof. Dr. Reinhard Greger ein Plädoyer für die außergerichtliche Mediation gehalten und die “Insellösung der gerichtlichen Mediation” kritisiert. (Lesen Sie dazu hier mehr). Kritisiert wurde die gerichtliche Mediation auch auf dem Deutschen Mediationstag in Jena. Neben Prof. Dr. Hanns Prütting vom Institut für Verfahrensrecht der Universität Köln, äußerte insbesondere die Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts, Ingrid Schmidt, erhebliche Bedenken (Lesen Sie dazu mehr hier und im Blogbeitrag von Axel Brodehl). […]

  • 7. Stephan Rittweger  |  19.Juni 2009 at 12:22

    “Die prozess- und dienstrechtliche Legitimitat ist damit
    nicht zu bezweifeln.” So Prof. Greger in DRiZ 2008, 48.
    Auch die Die Europäische Union hat sich mit Art 3 a der Richtlinie vom 21.5.2008 (”Mediation durch einen Richter”) entschieden, dass das Potential der Mediation auch den Gerichten zur Verfügung steht.

    Stephan Rittweger

Ihr Kommentar

Pflichtfeld

Pflichtfeld, anonym

Folgende HTML-Tags sind erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>

Trackback diesen Artikel  |  Kommentare als RSS Feed abonnieren


Kalender

Februar 2010
M D M D F S S
« Jan    
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728

Aktuelle Artikel