Das Dilemma der Mediationsausbildung!
25.Mai 2007 Brinkmann
Welcher Mediator kennt sie nicht, die Anrufe oder gar Besuche von Personen, die an einer qualifizierten Mediationsausbildung interessiert sind und sich wichtige Tipps für eine Mediationsausbildung versprechen?!

Bild: Horns of a Dilemma
Ich kann das Dilemma der Interessenten an einer Mediationsausbildung sehr gut nachvollziehen. Der Ausbildungsmarkt für Mediation ist unerschöpflich und absolut unübersichtlich. Mal ist es die große Ausbildung mit mehr als 200 Stunden, mal die kleine Ausbildung mit 40 Stunden. Hier werden zwei Schlussdokumentationen verlangt, dort vier Dokumentationen mit mündlicher Prüfung und eine wissenschaftliche Arbeit. Die eine Ausbildung kostet 5000 Euro, die andere 1.500 Euro,… . Wie passt das zusammen? Ja, und welche ist nun die richtige Mediationsausbildung?
Für das Dilemma ist zum Teil die Marktsituation verantwortlich. Den meisten ausgebildeten Mediatoren fehlen schlicht die Fälle. Es herrscht eine Nachfragelücke auf dem Markt. Womit soll der Mediator also Geld verdienen? Klar, mit gut bezahlten Mediationsausbildungen. Jeden Monat kommen deshalb neue Ausbildungsvarianten auf dem Markt. Neue ausgebildete Mediatoren betreten anschließend den Markt, suchen vergeblich und frustriert Mediationsfälle und, ja…, und bilden dann wieder Mediatoren aus. Ein Schneeballeffekt, der letztlich nicht im Sinne der Mediation sein kann!
Machen wir uns nichts vor, es tummeln sich viele “schwarze Schafe” auf dem Ausbildungsmarkt für Mediatoren. Mediationstrainer täuschen praktische Erfahrungen vor, obschon sie selbst händeringend nach Fällen suchen.Leidtragende sind die Absolventen dieser Mediationsausbildungen und die Medianten, die später in einer Konfliktsituation diese dann angeblich qualifizierten Mediatoren aufsuchen. Dieses Phänomen ist allerdings nicht neu, sondern gab es auch schon in den 90er Jahren. Mir sind aus dieser Zeit beispielsweise zwei Mediatoren bekannt, die noch während ihrer eigenen Mediationsausbildung parallel als Mediationstrainer aktiv waren. Zudem kenne ich den Fall einer NLP-Trainerin, die eine Mediationsausbildung anbot, obschon sie selbst nie aktiv als Mediatorin tätig war. Diese und ähnliche Fälle schaden der Mediation.
Ein Dilemma ist übrigens natürlich auch, wie man als praktizierender Mediator auf die oben genannten telefonischen Anfragen reagieren soll. Soll der Anrufer abgewiesen werden, da es sich möglicherweise um einen zukünftigen Konkurrenten handelt? So habe ich dieses Dilemma bisher nicht gelöst, sondern auf Informationsmaterial, Internetseiten und aus meiner Sicht seriöse Anbieter verwiesen. Insbesondere muss sich jeder Interessent intensiv im Vorfeld fragen, vor welchem Hintergrund und welchen Interessen eine Mediationsausbildung absolviert werden soll.
Ist Ihnen das Dilemma der Mediationsausbildung bekannt? Welche Ideen und Erfahrungen haben Sie zu diesem Thema?
Ich hoffe, dass das Dilemma zukünftig zum Wohle der Mediation gelöst wird.
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bisher 5 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben
1. Anwaltsmediator und Werbe&hellip | 29.Mai 2007 at 09:38
[…] Diese Frage wurde bereits diskutiert und wird auch mit dem neuen nds. Entwurf eines Mediationsgesetzes wieder neu aufgerollt. […]
2. Medi | 29.Mai 2007 at 20:36
Weshalb haben die Menschen nun wieder Angst, nach einem “falschen” Standard ausgebildet zu werden.
Wenn ich es spüren kann, ob mir die Ausbildung gut tut, was ist daran dann falsch?
Wenn ich es nicht spüren kann, ist es aus meiner Sicht besser, die Mediationsausbildung zu lassen, bzw. sich solange mit seinen eigenen Gefühlen zu beschäftigen, bis sie zu spüren sind.
3. Markus Sikor | 04.Juni 2007 at 22:15
Hallo,
sollen wir den Pionieren der Mediation(sausbildung) vorwerfen, dass sie nicht genug Erfahrung hatten (was sie wahrscheinlich nicht hatten)? Natürlich ist es ethisch fragwürdig, wenn TeilnehmerInnen nach einer Ausbildung direkt selbst ausbilden, ohne ausreichende Praxis. Die Mediationsverbände versuchen dies durch mehr oder weniger ausgearbeitete Standards zu regeln (s. Standards des Bundesverband Mediation www.bmev.de).
Allerdings können formale Standards nicht die persönliche, charakterliche Eignung und mediative Haltung prüfen - dies können eher die TeilnehmerInnen im direkten Kontakt mit ihren Ausbildern. Auch ich hatte da wechselhafte Erfahrungen und habe dennoch von allen TrainerInnen etwas gelernt (wenn auch nur, dass ich es so nicht machen würde). Das Feedback von TeilnehmerInnen an den Bundesverband über die AusbilderInnen hat durchaus Wirkung - so wurde einer der Ausbilder wegen unethischem Verhalten aus dem Verband ausgeschlossen (nach vielen erfolglosen Gesprächen und Vermittlungsversuchen) - ein sehr positive Entwicklung, wie ich finde.
Zur Nachragelücke: Na ja, das ist so, als wenn sich erfolglose Trainer beschweren, dass sie gute Arbeit machen, aber niemand sie anfragt… Wer nach einem Jahr als selbständiger Mediator immer noch ohne Klienten dasteht, betrügt sich entweder selbst in seiner Kompetenz oder hat die Basics der Selbständigkeit nicht verstanden.
4. Mediation als “Bout&hellip | 17.September 2007 at 09:50
[…] Ist die Mediationsszene momentan wirklich von Ernüchterung geprägt? Ich kann diese Auffassung nachvollziehen. Das “Dilemma der Mediationsausbildung!” gilt noch immer. Viele lassen sich euphorisch zum Mediator ausbilden und dann kommt die große Ernüchterung, da die Mediationsfälle fehlen. Gut, dass die Arbeitsgemeinschaft Mediation den Mut hat und die Realität offen anspricht bevor falsche Hoffnungen geweckt werden. Auf der anderen Seite müssen die Chancen genutzt werden und es wäre schön, wenn in dieser Situation alle Mediatoren an einen Strang ziehen könnten, statt Grabenkämpfe untereinander auszutragen. Kooperation statt Konfrontation ist an gesagt, damit sich die “Boutiquen”-Dienstleistung der Mediation auf dem Markt behauptet. […]
5. Wie viele Mediatoren gibt&hellip | 03.Juni 2008 at 14:47
[…] Ich bin fest überzeugt, dass schon mehr als 5.000 Personen eine Mediationsfortbildung genossen haben. In welchem Umfang und nach welchen Standards wäre sicher eine andere Frage. Aber sind diese über 5.000 Personen auch als Mediatoren tätig? Sicherlich nicht! Dies gibt die Nachfrage nach Mediation aus meiner Sicht (noch) nicht her (Lesen Sie dazu auch den Beitrag “Das Dilemma der Mediationsausbildung“). […]
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