Wo sind die Grenzen des Bloggens über Mediation?

19.April 2007 Brinkmann

Was darf in einem Blog über Mediation und Konfliktmanagement geschrieben werden? In welcher Form darf kritisiert und kommentiert werden? Wie sollte und kann auf Kritik reagiert werden? Sollen sich Mediationsverbände, Organisationen und Einzelpersonen auf Diskussionen im Web einlassen? Gibt es Grenzen des Bloggens? …?

Dies sind spannende Fragen, mit denen sich Blogger, Leser und Kommentatoren beschäftigen müssen. Aufhänger für diese Fragen ist u.a. der lesenswerte Beitrag “Communities und Markenführung 2.0?” von Joachim Simen im Diablog.

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In meinem Bericht “Weblogs bereichern die Mediation” im Newsletter der Deutschen Gesellschaft für Mediation (DGM) beschreibe ich, dass Blogger Lesenswertes für andere selektieren. Diese Selektion ist persönlich, nonkonformistisch, bisweilen sogar sarkastisch. Und genau diese Art des Schreibens macht Weblos so authentisch und interessant. Weblogs bilden zudem oftmals eine Gegenöffentlichkeit, da sie Informationen publizieren, die von den Massenmedien oder von üblichen “Meinungsmachern” bewußt oder unbewußt verschwiegen werden. Allerdings gibt es sicher Grenzen für den Blogger. In diesem Zusammenhang wird aktuell in der Blogosphere über einen Code of Conducts für Blogger diskutiert. (Lesen Sie z.B. die Debatte auf der re:publika, bei jurablogs und insbesondere bei O`Reilly).

Mediationsblogs beschreiben oftmals aus einer kritischen Sicht Themen, die Mediatoren und Medianten bewegen. Beispielhaft sei an dieser Stelle mein Beitrag “Deutsches Forum für Mediation - Selters statt Sekt!” genannt. Der kritische Beitrag bildet mit Sicherheit eine Gegenöffentlichkeit zu vielen bisherigen Stellungnahmen und Veröffentlichungen der teilnehmenden Organisationen des Deutschen Forums für Mediation. Aber wurde mit ihm schon eine Grenze überschritten? Aus meiner Sicht verstossen Beiträge aber auch Kommentare von Lesern des ADR-Blogs Grenzen, wenn sie nur dazu dienen, andere zu beschimpfen, zu schikanieren, zu bedrohen oder ihnen nachzustellen. Zudem haben im ADR-Blog Beleidigungen, bewusste Falschdarstellungen oder absichtliche Fehldeutungen mit dem Ziel, einen Konflikt anzuzetteln, keinen Platz. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass es sich um einen Blog über Mediation und Konfliktmanagement handelt. Gleiches gilt für Geschäftsgeheimnisse, Verbandsinterna z.B. von Mediationsvereinen sowie Veröffentlichungen von persönlichen Daten. Ein Blogger sollte sich in dieser Hinsicht immer prüfen! Was der Blogger am Ende für akzeptabel hält oder nicht, entscheidet dieser aber sicher selbst.

Wie der Blogger müssen sich auch Leser, Kritisierte und Kommentatoren die Frage stellen, wie sie mit den neuen Möglichkeiten des Web 2.0 umgehen. Joachim Simen nennt in seinem Beitrag mehrere Möglichkeiten und Thesen des Experten Christian Saller. Saller behauptet u.a., dass eine Zensur und Manipulation von Community Diskussionen nicht funktioniert. Vielmehr müssen sich Organisationen einer offenen und kritischen Diskussion stellen. Die Zahl der Weblogs (u.a. von Vereinen und Organisationen) wird sich allein aus diesem Grund in Zukunft vergrößern.

Das Web 2.0 birgt Risiken aber sicher auch viele Chancen. Die oben gestellten Fragen lassen sich mit Sicherheit nicht abschließend beantworten. Zudem müssen Blogger und Leser Erfahrungen mit der “neuen Disziplin” des Bloggens sammeln. Die Fragen laden zu einer generellen Diskussion und zum Erfahrungsaustausch ein. Ich bin gespannt auf Ihre Meinungen und Kommentare!

Artikel gespeichert unter: Allgemein, Über ADR-Blog

bisher 2 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Joachim Simen  |  19.April 2007 at 21:16

    Lieber Marcus,

    vielen Dank für deinen offenen und kritischen Beitrag. Gerne möchte ich diesen um ein persönliches Statement ergänzen.

    Lange habe ich mir überlegt, ob und in welcher Form ich einen Blog führen kann. Dieser steht ja prinzipiell allen Internetnutzern und damit auch potentiellen Kunden, Medianten und Seminarteilnehmern offen. Diese erhalten einen “ungeschminkten” Einblick in meine Arbeit, Ansätze und Erfahrungen aber auch in meine Zweifel, Unkenntnis, Widersprüche, Fragen etc.

    Meinen Blog verstehe ich nicht als PR-Instrument oder bloßes Informationsmittel. Es ist eine ganz persönliche Stellungnahme zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt. Dadurch mache ich mich angreifbar, wecke Widerstände, löse Kritik und eventuell sogar Konflikte aus. Die Frage ist, wie ich damit umgehe wenn diese auftauchen und ob diese meiner Person, meinem Ansehen oder meiner Arbeit schaden können.

    Ich glaube aber fest daran, dass sich der Mut zur Offenheit im öffentlichen Internet gerade für Mediatoren lohnt. Wir arbeiten viel hinter verschlossenen Türen, nehmen uns als Personen in der Arbeit zurück und behandeln vertrauliche Themen.

    Es ist eine Chance uns kennen zu lernen mit allen Ecken und Kanten.

    Viele Grüße
    Joachim Simen

  • 2. Jutta Becker-W.  |  16.Juli 2007 at 15:59

    Hallo Herr Simen
    (oder Joachim),

    während ich noch darüber nachdenke, ob es wohl Sinn machen könnte, wenn ich als freiberufliche Mediatorin (Schwerpunkt Familie) einen eigenen Blog zum Thema Mediation einrichte, bin auf den ARD-Blog und auf deinen Kommentar gestossen.
    Er gibt mir Futter, über die Wenns und vor allem Abers nachzudenken.

    Genau die Erkenntnis, dass (zumindest hier in meinem derzeitigen Lebensumfeld kaum ein normaler Mensch weiss, dass unsere Profession nichts mit Meditation zu tun hat ist meine Grundmotivation für die Veröffentlichung meiner persönlichen Gedanken zum Thema.
    Mediation ist aus meiner Sicht viel mehr als ein “Verfahren”, Mediation hat während meiner Ausbildung in HD “etwas” mit mir gemacht, Mediation ist eine Einstellung, eine Art miteinander und mit Konflikten umzugehen.
    Die wenigstens Menschen, die wenigstens den Begriff kennen, wissen leider um die positiven Auswirkungen nicht (nur) im wirtschaftlichen Sinne, sondern vielmehr im Hinblick auf inneren und familiären Frieden der Medianten.

    Über ein Feedback würde ich mich freuen,
    viele Grüße
    Jutta Becker

    (Frage eines Blog-Laien -
    wie kriege ich diese Gedanken auf den ARD-Blog?)

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