Deutsches Forum für Mediation - Selters statt Sekt!

15.März 2007 Brinkmann

Das “Deutsche Forum für Mediation” feiert Geburtstag. Genau vor einem Jahr am 15. März 2006 gab sich die Initiative der Mediationsverbände diesen Namen. Als Namenspate fungierte das “Euopean Forum for Mediation”, das sich im Mai 2006 in Helsinki konstituierte. Doch der heutige Tag ist kein Tag zum Feiern, Selters statt Sekt ist angesagt! Die Ergebnisse des Deutschen Forums für Mediation sind bescheiden und mehr als ernüchternd.

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Offen mag dies kein Verbandsvertreter zugeben. “Es menschelt” ist eine typische Formulierung der Teilnehmer am Forum. Dies ist verständlich, denn es ist fast peinlich, dass die Treffen der gestandenen Mediatoren von taktischen Verbandspositionen, statt von gemeinsamen Mediationsinteressen geprägt sind. Mediatoren an der Basis schütteln da nur verwundert den Kopf über die “Funktionäre”. Selbst auf dem letzten Mediations-Kongress in Köln wurde öffentlich der Ruf nach einem Mediator für die Mediatoren laut. Getan hat sich in dieser Richtung bisher nichts. Die Hoffnungen, die dem Verbändetreffen anfangs innewohnten, sind der harten Realität gewichen. Dabei hatten die Teilnehmer mehr als drei Jahre Zeit zum Kennenlernen und zur Zusammenarbeit. Seit dem 05. März 2004 treffen sich Vertreter regelmäßig. Um arbeitsfähig zu sein, wurden frühzeitig prarallel zu den halbjährlichen Treffen interne Arbeitsgruppen z.B. für Öffentlichkeitsarbeit, Ausbildungsstandards und für die Ausarbeitung der Präambel gebildet.

Das Deutsche Forum für Mediation orientiert sich an folgende Präambel:

Präambel

Die zunehmende Bedeutung der Mediation erfordert eine stärkere Zusammenarbeit. Darum haben sich die unterzeichnenden bundesweiten Organisationen zu der Initiative Aktion Mediation zusammengeschlossen, um zu kooperieren, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Perspektiven zu entwickeln.

Die Mitgliedsorganisationen sehen Mediation als Konfliktbearbeitungsverfahren auch im Sinne des European Code of Conduct for Mediators.

Die Aktion Mediation steht für Toleranz, Gewaltfreiheit, Respekt und Autonomie.

Ziele ihres Engagements sind eine gemeinsame Definition von Mediation, Öffentlichkeitsarbeit, Qualitätssicherung, Teilnahme an der Willensbildung des Gesetzgebers und sonstige Maßnahmen zur Förderung der Mediation auf nationaler und internationaler Ebene.

Die selbstgesteckten Ziele wurden bisher weitgehend nicht erreicht.

Der Arbeitsgruppe Ausbildungsstandards war es nichtmals möglich, eine Gegenüberstellung der Ausbildungsinhalte aufzulisten, um zu schauen, ob die verschiedenen Ausbildungen der Mediationsverbände wesentliche Gemeinsamkeiten haben. Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass es auf dem Gebiet der Ausbildungen eher zu keinem einheitlichen Kurs kommen wird. Die angebotenen Ausbildungen sind einfach zu unterschiedlich. Zudem prallen an diesem Punkt die Positionen am stärksten aufeinander, denn schließlich wird in Deutschland mit Ausbildungen noch das meiste Geld mit Mediation verdient.

Die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit ist erneut am Nullpunkt angekommen. Es wurden Werbekampagnen vorgestellt, die Mediation an sich in den Vordergrund stellen sollten. Die guten Anregungen und Ideen schritten soweit vor, dass jeder Verband für die gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit einen Geldbetrag einzahlen sollte. Um dies Durchzuführen, haben einige Verbände, wie beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Mediation, gesonderte Mitliederversammlungen durchgeführt. Am Ende konnten die Verbände sich jedoch nicht auf eine gemeinsame Höhe des Betrags einigen. Der BMWA, der als einer der wenigen Verbände frühzeitig einen Beitrag von 1000 Euro leistete, wird deshalb seinen Betrag nun zurückfordern. Auch eine gemeinsame Homepage des Deutschen Forums für Mediation konnte bisher nicht verwirklicht werden. Im Herbst 2006 wurde zwar die Domain www.dffm.de gesichert, sie glänzt bisher allerdings durch eine inhaltslose Webseite. Man darf gespannt sein, welche “Grabenkämpfe” entstehen, wenn die überfällige Webpage mit Leben gefüllt wird.

Auch die Teilnahme des Deutschen Forums für Mediation an der Willensbildung des Gesetzgebers endete in einem Desaster. Statt zu kooperieren und gemeinsam Perspektiven zu erarbeiten, preschte die Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V. (BAFM) im Alleingang beim Justizministerium mit einem Vorschlag eines Mediationsgesetzes vor. Es ist verständlich, dass die Teilnehmer des Forums dieses unabgestimmte Verhalten anschließend mißbilligten. Gerade in Bezug auf die Gesetzgebung wäre es schließlich von Vorteil, wenn die Mediatoren mit einer Stimme sprechen könnten und das Gesetz wesentlich mitgestalten könnten.

Sollte das Deusche Forum für Mediation in dieser Weise weiterarbeiten, ist zu vermuten, dass es auseinander bricht und sich neue Koalitionen und “Kerngruppen” bilden. Dies ist der Mediation in Deutschland allerdings nicht zu wünschen. Der Wagen ist sicher noch nicht ganz vor die Wand gefahren. Positiv ist zu vermerken, dass sich die Verbandsvertreter überhaupt treffen und austauschen. Betont werden soll auch, dass das Deutsche Forum für Mediation eine gemeinsame Stellungnahme zum Rechtsdienstleistungsgesetz der Rechtsanwälte verfasste. Es ist zu wünschen, dass die Verbandsvertreter endlich die Chancen des Deutschen Forums für Mediation nutzen und mit gemeisamen Taten und Aktionen glänzen. Vielleicht heißt es dann in einem Jahr “Sekt statt Selters”.


Folgende Organisationen sind im Deuschen Forum für Mediation im Gespräch:

AG Mediation im Deutschen AnwaltVerein DAV www.anwaltverein.de

Berufsverband Deutscher Diplom-Pädagogen und Diplom-Pädagoginnen BDDP
www.diplom-paedagogen.de

Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation BAFM www.bafm-mediation.de

Bundesverband Mediation BM www.bmev.de

Bundesverband Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt BMWA www.bmwa.de

Centrale für Mediation CfM www.centrale-fuer-mediation.de

Deutsche Gesellschaft für Mediation DGM www.dgm-web.de

Deutsche Gesellschaft für Mediation in der Wirtschaft DGMW www.dgmw.de

Fernuniversität Hagen www.fernuni-hagen.de

Förderverein Mediation im öffentlichen Bereich FMÖB www.umweltmediation.info

Europäisches Institut für Conflict Management e.V., eucon www.eucon-institut.de

Artikel gespeichert unter: Allgemein, Konflikte, Verbände

bisher 13 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Zur gerichtlichen Mediati&hellip  |  21.März 2007 at 16:11

    […] Ein befriedigendes Ergebnis in der Mediation kann mit Hilfe der erlernten Techniken und herbeigeführt werden. Eine gute Ausbildung ist dafür zwar noch keine Garantie, gibt aber verlässliche und erprobte Leitlinien vor. Es gibt unterschiedliche Auffassungen vom Verständnis einer angemessenen Mediationsausbildung. Das sieht man schon daran, dass die verschiedenen Mediationsverbände sich mit der verbindlichen Festlegung einheitlicher Standards schwer tun. Für meine Mediationsausbildung habe ich mich bewusst für die FernUniversität Hagen entschieden, da dieser Studiengang neben der Grundausbildung zum Mediator mit intensiven praktischen Übungen (über 120h) eine vertiefte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Grundprinzipien der Mediation (1080h) ermöglicht. Der postgraduale Studiengang setzt die intensive Ausbildung fort (30h Praxis und 420h Theorie) und schließt mit einer wissenschaftlichen Masterarbeit ab. […]

  • 2. Tagung zur Mediation im P&hellip  |  23.März 2007 at 13:02

    […] Mediation am Bau gehört aus meiner Sicht zu den Tätigkeitsfeldern mit dem größten Bedarf für Mediation. Durch diese Tagung wird im besten Sinne Werbung für die Mediation gemacht. Lob gebührt dem tollen Engagement der Organisatoren und Konsens e.V., denn wie der Beitrag “Selters statt Sekt” zeigt, sind Kooperationen im Mediationsbereich keine Selbstverständlichkeit. […]

  • 3. Mediationstage in Städte&hellip  |  27.März 2007 at 10:07

    […] In den letzten Jahren haben sich mehr und mehr Mediationstage in Städten und Regionen etabliert. Beispielhaft seien die Mediationstage in Bonn, Karlsruhe und insbesondere in Oldenburg genannt. Mediationstage helfen die Methode der Mediation einer breiten Öffentlichkeit vor Ort zugänglich zu machen. Aber auch intern zwischen den beteiligten Mediatoren kann das ehrenamtliche Engagement viel bewirken. Die Organisation und Vorbereitung der Mediationstage kann erfolgreich nur miteinander funktionieren. Es ist deshalb schön zu sehen, wie unkompliziert und gut die Zusammenarbeit der Mediatoren vor Ort funktioniert, obschon die Mediatoren oftmals aus unterschiedlichen Berufen und Mediationsvereinen stammen. Dies zeigt, dass in der Praxis die Zusammenarbeit der Mediationsvereine in vielen Fällen unkompliziert gelebt wird. Im Vordergrund der Kooperation steht die Verbreitung des Gedankes und der Haltung der Mediation und nicht starre Verbandspositionen. Dieses Wirken könnte beispielhaft auch für die Vertreter des Deutschen Forums für Mediation sein. […]

  • 4. Anke Hestermeyer  |  10.April 2007 at 09:54

    Danke, Herr Brinkmann, für diesen Artikel!
    Ich denke, Sie sprechen vielen Mediatoren aus der Seele.

  • 5. Wo sind die Grenzen des B&hellip  |  19.April 2007 at 00:26

    […] Mediationsblogs beschreiben oftmals aus einer kritischen Sicht Themen, die Mediatoren und Medianten bewegen. Beispielhaft sei an dieser Stelle mein Beitrag “Deutsches Forum für Mediation - Selters statt Sekt!” genannt. Der kritische Beitrag bildet mit Sicherheit eine Gegenöffentlichkeit zu vielen bisherigen Stellungnahmen und Veröffentlichungen der teilnehmenden Organisationen des Deutschen Forums für Mediation. Aber wurde mit ihm schon eine Grenze überschritten? Aus meiner Sicht verstossen Beiträge aber auch Kommentare von Lesern des ADR-Blogs Grenzen, wenn sie nur dazu dienen, andere zu beschimpfen, zu schikanieren, zu bedrohen oder ihnen nachzustellen. Zudem haben im ADR-Blog Beleidigungen, bewusste Falschdarstellungen oder absichtliche Fehldeutungen mit dem Ziel, einen Konflikt anzuzetteln, keinen Platz. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass es sich um einen Blog über Mediation und Konfliktmanagement handelt. Gleiches gilt für Geschäftsgeheimnisse, Verbandsinterna z.B. von Mediationsvereinen sowie Veröffentlichungen von persönlichen Daten. Ein Blogger sollte sich in dieser Hinsicht immer prüfen! Was der Blogger am Ende für akzeptabel hält oder nicht, entscheidet dieser aber sicher selbst. […]

  • 6. Deutsches Forum für Medi&hellip  |  27.Juni 2007 at 13:35

    […] Lange habe ich nichts mehr vom Deutschen Forum für Mediation gehört. Selbst über die einzelnen Mediationsverbände, die sich dem Forum angeschlossen haben, wurden in den vergangenen Monaten kaum Informationen an die Öffentlichkeit getragen. Man könnte schon glauben, dass es auch nichts zu vermelden gibt. Im Beitrag “Selters statt Sekt!” habe ich im März kritisch das bisherige Wirken des Deutschen Forums für Mediation kommentiert. Aber nun scheint sich etwas zu tun. Zwar ist die offizielle Internetseite www.dffm.de weiter inhaltslos, aber es kann sich im Internet schon folgendes Demo der zukünftigen Seite angeschaut werden. Das Logo des Deutschen Forum für Mediation besteht aus den Anfangsbuchstaben und ist schlicht weiss gehalten. Das Layout der Internetseite ist weiss-blau. Auf der Frontpage sind die Logos aller teilnehmenden Organisationen kreisförmig angeordnet. Zudem findet man auf der linken Seite die Präambel des Forums. […]

  • 7. Erste Stellungnahmen zum &hellip  |  22.August 2007 at 23:19

    […] Grundsätzlich begrüßen Konsens und die Centrale für Mediation das Mediationsgesetz für Niedersachsen. An vielen Stellen geben sie dem Gegesetzgeber aber weitere Ideen und Verbesserungsvorschläge auf den Weg. Es war abzusehen, dass die Stellungnahmen bzgl. des Stundenumfangs für eine Mediationsausbildung unterschiedlich ausfallen werden. Schon das Deutsche Forum für Mediation ist hier nie zu einer einheitlichen Auffassung gekommen (einen kritischen Beitrag zum Deutschen Forum für Mediation finden Sie hier). Unterschiedliche Ansichten prallen auch bei den Stellungnahmen zum Nds. MedG aufeinander. Während die Centrale für Mediation eine 80 Stundenausbildung für ausreichend hält (man muss bedenken, dass die Centrale für Mediation mit solchen Kursen selbst wirtschaftlich auf dem Markt auftritt), spricht sich der unabhängige Mediationsverein Konsens für den staatlich anerkannten Mediator grundsätzlich für einen 200 stündigen Ausbildungsumfang nach den Standards von BM, BAFM und BMWA aus. Sollten weitere Stellungnahmen von Vereinen folgen, ist davon auszugehen, dass sich die Vielfalt des Ausbildungsmarktes wiederfinden wird. […]

  • 8. Verbandsübergreifende St&hellip  |  23.August 2007 at 00:27

    […] Auffällig ist allerdings, dass die beteiligten Mediationsverbände die Stellungsnahme nicht unter dem Namen Deutsches Forum für Mediation veröffentlicht haben. Scheinbar ist dem Deutschen Forum für Mediation eine gemeinsame Stellungnahme unter Beteiligung aller seiner Verbände erneut nicht gelungen. Der oben genannten Stellungnahme haben sich die AG Mediation im Deutschen Anwaltverein und eucon nicht angeschlossen. Damit hat das Deutsche Forum für Mediation aus meiner Sicht eine große Chance vertan! […]

  • 9. Mediation als “Bout&hellip  |  17.September 2007 at 09:51

    […] Ist die Mediationsszene momentan wirklich von Ernüchterung geprägt? Ich kann diese Auffassung nachvollziehen. Das “Dilemma der Mediationsausbildung!” gilt noch immer. Viele lassen sich euphorisch zum Mediator ausbilden und dann kommt die große Ernüchterung, da die Mediationsfälle fehlen. Gut, dass die Arbeitsgemeinschaft Mediation den Mut hat und die Realität offen anspricht bevor falsche Hoffnungen geweckt werden. Auf der anderen Seite müssen die Chancen genutzt werden und es wäre schön, wenn in dieser Situation alle Mediatoren an einen Strang ziehen könnten, statt Grabenkämpfe untereinander auszutragen. Kooperation statt Konfrontation ist angesagt, damit sich die “Boutiquen”-Dienstleistung der Mediation auf dem Markt behauptet. […]

  • 10. Was bringt das Jahr 2008 &hellip  |  07.Januar 2008 at 12:14

    […] Deusches Forum für Mediation - Selters statt Sekt! […]

  • 11. Herzlich Willkommen Nexip&hellip  |  12.Februar 2008 at 23:48

    […] Schade ist aus meiner Sicht, dass die gut gemeinte Initiative in Deutschland “nur” von Privatpersonen initiiert wird. Für eine effektive und breite Öffentlichkeitswirkung hätten im Vorfeld Mediationsvereine und Anwaltsvereinigungen gewonnen werden müssen. Beispielhaft könnte die Arbeitsgemeinschaft Mediation im Deutschen Anwaltverein genannt werden. Aber auch andere Mediationsvereine wie die Deutsche Gesellschaft für Mediation, der Bundesverband Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt, Konsens,… hätten einbezogen werden können, um deren Mitglieder direkt anzusprechen. Vielleicht hätte selbst das Deutsche Forum für Mediation, das bisher mehr durch Passivität glänzte (siehe dazu beispielhaft hier), erstmals Profil mit solch einer Initiative zeigen können. So ist zu vermuten, dass sich die Initiative zur Münchener Erklärung auf Rechtsanwälte und Mediatoren aus der Region München und dem Netzwerk der Initiatoren beschränken wird. […]

  • 12. Deutsches Forum für Medi&hellip  |  15.März 2008 at 16:21

    […] Heute jährt sich zum zweiten Mal die Entstehung des Deutschen Forums für Mediation. Gemeinsame Treffen der Teilnehmer des Forums finden allerdings schon seit März 2004 statt. So mancher Mediator wird sich die Frage stellen “Quo vadis Deutsches Forum für Mediation?”. […]

  • 13. Das babylonische Stimmeng&hellip  |  13.März 2009 at 08:34

    […] “Deutsches Forum für Mediation - quo vadis?” und “Deutsches Forum für Mediation - Selters statt Sekt!” […]

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