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Paare streiten wegen Unordnung

Die Ordnung im Haushalt ist laut einer Umfrage Streitthema Nummer eins bei deutschen Paaren. Die Programmzeitschrift “Funkuhr” berichtet als Auftraggeberin der Untersuchung, dass es bei 47 Prozent der Befragten wegen herumliegender Kleidungsstücke, schmutzigen Geschirr und ähnlichem krache. Ein hohes Konfliktpotential bergen auch mangelnde Aufmerksamkeit (32 Prozent) und das Thema Geld (29 Prozent). Für die Umfrage wurden 1013 Bundesbürger im Alter von 18 bis 55 Jahren im Internet befragt.

jetzt kommentieren? 16. Februar 2010 Brinkmann

“Vom Paulus zum Saulus?” - Offener Brief an die Funktionäre der BAFM zur Gründung des DFfM

In mehreren Beiträgen habe ich über die Geschehnisse rund um die Gründung des Deutschen Forum für Mediation e.V. (DFfM) berichtet. Dr. Dieter Kostka, ein langjähriger Kenner der Mediationsszene, nimmt nun in einem offenen Brief sehr persönlich und fundiert Stellung. Insbesondere werden in seinem offenen Brief die Funktionäre der Bundesarbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation (BAFM) angesprochen. Der vollständige Brief von Dr. Dieter Kostka lautet (eine PDF-Version finden Sie auch am Ende des Beitrages):

dr-dieter-kostka.jpg Im März 2004 fand auf Einladung des Vorstands der BAFM erstmals ein Treffen von Vertretern verschiedener Organisationen statt, die sich in Deutschland mit Mediation befassen (anfangs acht Mediationsverbände, drei Universitätseinrichtungen und eine privatwirtschaftliche GmbH). Dies geschah zunächst unter dem ehrgeizigen Arbeitstitel „Dachverband Mediation in Gründung“, welcher ausdrücklich als Zusammenschluss der deutschen Mediationsverbände gedacht war. Die BAFM hat immer Wert darauf gelegt und auch nach außen betont, dass diese Initiative von ihr ausgegangen war. Da sich ein formaler Zusammenschluss nicht gleich realisieren ließ, wurde einstweilen eine lose regelmäßige Kooperationsrunde unter dem Titel „Deutsches Forum für Mediation“ bzw. „DFfM“ etabliert, die seither mehrmals getagt hat.

Nach vielen Diskussionen und teilweise anstrengendem Ringen hat sich dieses „Deutsche Forum für Mediation“ nun im Mai 2009 endlich auch formal als eingetragener Verein gegründet, darunter als Gründungsmitglieder zunächst acht Mediationsverbände, eine Universitätseinrichtung, ein privatwirtschaftlich tätiger Verein und eine von diesem getragene Ausbildungseinrichtung – allerdings nur zum Teil dieselben wie anfangs 2004. Dezidiert haben sich die BAFM, der Bun-desverband Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt e.V. (BMWA) und der Bundesverband Mediation e.V. (BM) nicht an der Gründung beteiligt; drei weitere Organisationen überlegen noch, dafür waren andere hinzugekommen. Nur vier Tage später hat der Vorstand der BAFM dem DFfM e.V. dann mit einer Unterlassungsklage hinsichtlich der Verwendung des Namens „Deutsches Forum für Mediation (DFfM)“ gedroht.

Das spricht einerseits Bände hinsichtlich der Fähigkeit zur konstruktiven Verständigung und Vermeidung von Rechtsstreiten unter den offiziellen Protagonisten derselben (irgendwo zwischen Stufe 4 und 6 von 9 des berühmten Eskalationsmodells von Friedrich Glasl und daher für Mediation tendenziell besonders geeignet…), und wirft andererseits vor allem viele Fragen auf. Dazu zunächst ein Blick auf einige Verlautbarungen und Äußerungen der BAFM-Funktionäre.

Die Vertreter der BAFM haben wiederholt erklärt, dass ihnen eine möglichst weitreichende Zusammenarbeit der deutschen Mediationsvereinigungen wichtig sei. Dieser gewissermaßen „ökumenische“ Anspruch ist auch – was keineswegs selbstverständlich ist - direkt als ein Vereinszweck in der Satzung der BAFM verankert: „Zusammenarbeit mit überregionalen Institutionen und Diensten, die sich mit Mediation bzw. mediationsähnlichen Verfahren auf anderen Sektoren … beschäftigen.“ Schon in der o.g. ersten Sitzung des vor allem vom Vorstand der BAFM angedachten „Dachverbands Mediation in Gründung“ äußerte daher deren Vertreter, Herr Christoph Paul, die – m. E. sympathische und einem Mediator gut zu Gesicht stehende - Auffassung, „die Vielfalt solle unter einem nicht zu engen Hut gewährleistet sein“. Fünf Jahre später, in der 2. Ausgabe 2009 der Verbandsinformationen der BAFM schreibt Herr Paul ähnlich, es stünden für den im November 2008 neu gewählten Vorstand der BAFM für die nächsten Jahre „zwei Arbeitsbereiche besonders im Zentrum: die Mitarbeit am nationalen Mediationsgesetz sowie die Kooperation mit anderen Mediationsverbänden“. Das klingt nach konsequenter Kontinuität – sehr löblich!

Nahezu zur selben Zeit (März 2009) schreibt Herr Paul im Vorfeld einer erneuten Sitzung des von ihm maßgeblich mit ins Leben gerufenen Deutschen Forums für Mediation andererseits an die anderen Teilnehmer:

„Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des DFFM, wie Sie wissen, tagt seit dem letzten Jahr bei dem Bundesministerium der Justiz eine Expertenrunde zur Umsetzung der EU-Mediationsrichtlinien in ein nationales Mediationsgesetz. In diesem Gremium sind fast alle Verbände des DFFM vertreten. Wir haben uns entschieden, unsere Kräfte zunächst einmal auf dieses Vorhaben zu konzentrieren und möchten daher unsere Mitgliedschaft im DFFM vorläufig ruhen lassen. Wir danken für die kollegiale Zusammenarbeit der vergangenen Jahre, die wir in vielen individuellen Projekten ohnehin fortsetzen. Die im DFFM geknüpften Kontakte werden wir weiterhin gerne mit Leben erfüllen.“

Als Mediator habe ich gelernt, dass man sein Gegenüber ernst nimmt und ggf. nachfragt. Habe ich also richtig verstanden, dass zumindest die Funktionäre der BAFM ihr fünf Jahre lang vehement propagiertes Ziel der Kooperation der Mediationsverbände (vormals: Zusammenschluss derselben) ganz kurzfristig fallengelassen haben, weil sie – so klingt es - fürchten, dass sie das sonst überfordern würde, und weil man sich in der Expertenrunde beim BMJ ja sowieso in einschlägiger Weise trifft? Wenn ja, wie genau wollen sie nun stattdessen die „im DFfM geknüpften Kontakte weiterhin gerne mit Leben füllen“? Auf weniger kraftzehrende Weise? Wie mag das gehen?

Festzuhalten ist jedenfalls, dass der Vorstand der BAFM deren Mitwirkung im DFfM („Mitgliedschaft“, wie Herr Paul schreibt, ist nicht ganz korrekt, weil das eine Rechtsform suggeriert, die das DFfM bisher ja gar nicht hatte) einstweilen ausdrücklich suspendiert, aber noch nicht formell beendet hat. Ich verstehe das so, dass er keine Pflichten mehr haben, aber trotzdem alle Rechte behalten möchte. Aha. Ja, so etwas wünsche ich mir im Alltag auch manchmal; leider sehen das meine Mitmenschen bloß selten ein. Außerdem trifft es meines Wissens (Quelle: http://www.adr-blog.de/?p=381) auch nicht annähernd zu, dass in der Expertenrunde beim BMJ „fast alle Verbände des DFFM“ vertreten sind. Wenn man davon absieht, dass ein paar Angehörige dieses Gremiums persönlich, das heisst in ganz anderer Rolle (das sollte man trennen!), auch Mitglied in Mediationsvereinigungen sind, die im DFfM mitgearbeitet haben oder mitarbeiten, gehören diesem Gremium neben etlichen Verbänden, die keine Mediationsverbände sind, einzelnen Mediationsexperten und einigen Län-dervertretern gerade mal die drei o.g Verbände BAFM, BMWA und BM sowie der Deutsche Anwaltverein an und sonst keine einzige der im Kreis des DFfM mitwirkenden Institutionen! Hat Herr Paul da einen blinden Fleck? Das würde ihn nicht gerade dazu prädestinieren, die Belange der deutschen Mediationsszene gegenüber dem Staat zu vertreten.

Einen bzw. eineinhalb Monate später – die besagte DFfM-Sitzung nahte - erreichten die verbliebenen Teilnehmer des DFfM noch zwei weitere, nahezu wörtlich gleichlautende Sitzungs-Absagen erst vom Vorstand des BMWA und dann vom Vorstand des BM. Frau Wurl (BMWA) schreibt:

„… liebe Kolleginnen und Kollegen, für die Einladung zum nächsten Treffen des DFFM bedanken wir uns. Leider beansprucht die Mitwirkung am Gesetzgebungsverfahren iVm. den anderen Vorstandspflichten derzeit die volle Kapazität der ehernamtlich tätigen Vorstände. Eine Teilnahme ist daher derzeit nicht möglich und wird sich voraussichtlich auch für die nähere Zukunft schwierig gestalten. Wir bitten insoweit um Verständnis und wünschen viel Erfolg für das Treffen.“

Frau Hohmann (BM) schreibt:

„Sehr geehrter Herr Kollege …, ich danke für Ihre Einladung zum Treffen am 1. Und 2. Mail 2009. Die Mitglieder des BM-Vorstandes sind durch ihre Teilnahme an der Expertenrunde im BMJ derzeit zeitlich sehr eingebunden, so dass wir zum nächsten Treffen leider nicht erscheinen können und werden während der Dauer dieser Mitwirkung voraussichtlich auch in Zukunft nicht erscheinen. Bitte informieren Sie uns dennoch über die weitere Entwicklung. Ich wünsche Ihnen bei dem nächsten Treffen viel Erfolg.“

Also die Überlastung scheint groß und weitverbreitet - so groß, dass man zwecks Zeitersparnis schon bei einfachen Terminabsagen voneinander abschreiben muss? Wenigstens ist mir von diesen beiden Verbänden nicht bekannt, dass sie dem Thema „Kooperation mit anderen Mediationsverbänden“ so hohe Priorität eingeräumt hatten wie weiland die BAFM. Festgehalten werden kann aber, dass der BMWA und der BM – anders als die BAFM – immerhin ihre Mitwirkung im DFfM nicht suspendiert oder beendet haben, sondern ihm im Gegenteil Erfolg wünschen, und dass der BM auf dem Laufenden gehalten werden möchte. Das freut mich persönlich besonders, weil ich seit sehr vielen Jahren (1994) selbst unter anderem auch Mitglied im BM bin (damals hieß der noch einfach nur „Mediation e.V.“ und war so klein und idealistisch wie es heute noch der Förderverein Mediation im öffentlichen Bereich ist, den es damals auch noch gar nicht gab) und dort viele beeindruckende Menschen kennenlernen durfte einschließlich Frau Hohmann.

Ausdrücklich hat der „Deutsches Forum für Mediation e.V.“ daraufhin im Vorfeld seiner konstituierenden Sitzung und noch einmal in der Sitzung selbst alle Mediationsverbände und –einrichtungen, die sich noch nicht gleich zur Mitgliedschaft entschließen konnten, eingeladen, diesen Schritt dann später noch nachzuholen, und die ferngebliebenen bisherigen DFfM-Teilnehmer umgehend über die Ergebnisse der Sitzung informiert. Und auch in der Satzung des DFfM e.V. wird diese Offenheit nochmals eigens betont.

So weit, so gut; nun gilt es, auf möglichst breiter Basis gemeinsam weiterzuarbeiten und zugleich offen und einladend abzuwarten, was die anderen Mediationsvereinigungen tun, die dem DFfM e.V. noch nicht beigetreten sind.

Zumindest der Vorstand der BAFM hat sofort reagiert: einmal bereits am Vortag der konstituierenden Sitzung des DFfM e.V., und noch einmal gleich am zweiten Werktag nach dieser Sitzung – anscheinend war diese den BAFM-Funktionären trotz aller Arbeitsüberlastung doch irgendwie wichtig. Das erste Schreiben ist ein Statement gegen die Absicht, das lose DFfM in einen eingetragenen Verein umzuwandeln. Darin begrüßt die BAFM-Geschäftsstelle zunächst noch einmal den professionellen Austausch innerhalb der deutschen Mediationsszene und betont einmal mehr ihre eigene Initiative dazu. Anschließend wird auf unterschiedliche inhaltliche Vorstellungen innerhalb des DFfM Bezug genommen, die meiner Meinung nach in der Tat ausdiskutiert werden müssen – dazu ist so ein Forum ja schließlich gerade auch da – und konstatiert, dass man deswegen und insbesondere wegen des Ziels des DFfM, unter vielen anderen eben auch die Aufgabe einer Zertifizierungsstelle für Mediatoren wahrzunehmen, die Gründung des DFfM e.V. so nicht mittragen könne. In diesem Zusammenhang wird einigen der im Laufe der Zeit hinzugekommenen DFfM-Teilnehmern mehr oder weniger die Eigenschaft abgesprochen, anständige MediatorInnen zu sein:

„In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass einige der nunmehr als Mitglieder des Deutschen Forums genannten Organisationen nicht einmal die Kriterien der EU-Richtlinie für Mediation erfüllen und somit auch kaum geeignet sind, an dem Prozess der Zertifizierung im Rahmen des nationalen Gesetzgebungsverfahrens mitzuwirken. … Die BAFM vermag in der inzwischen erreichten Zusammensetzung des Deutschen Forums insbesondere im Hinblick auf Qualifikation und Ausbildungsstandards keine Vereinbarkeit zu erkennen. Die Mitwirkung im Deutschen Forum werden wir daher weiterhin ruhen lassen.“

Das ist starker Tobak und atmet einen Hochmut gegenüber den „Glaubensgeschwistern“, den ich sonst ähnlich nur vom „real existierenden Katholizismus“ her kenne und der – pardon, ich kann das nicht anders nennen – einer Mediationsvereinigung unwürdig ist. Ob diese Kritik inhaltlich zutrifft, mag ich nicht beurteilen; ernsthaft diskutiert werden muss sie schon. Dazu wäre allerdings ein gemeinsames, sich gegenseitig wertschätzendes Ringen um ein wechselseitiges und im Ergebnis idealerweise wiederum gemeinsames Verständnis angesagt, wie es ja eben der Mediation zu eigen ist; und so etwas könnte gerade innerhalb eines Vereins gut ausgetragen werden. Bei „Kirchens“ nennt man so ein Vorgehen „synodal“ (= sich gemeinsam auf dem Weg befindend). Stattdessen verweigert sich der Vorstand der BAFM einfach beleidigt und verzichtet so auf die Möglichkeit, die anderen Teilnehmer des DFfM von seiner Auffassung zu überzeugen oder gemeinsam eine neue zu entwickeln. Das ist sehr menschlich und entspricht in der Evolution der Konfliktlösungsmuster nach Gerhard Schwarz der ersten und zugleich primitivsten von sechs Stufen, nämlich der Flucht. Nun könnte man denken: Schade, aber na gut; wer nicht will, der hat schon. Aber Schwarz zeigt in seinem Modell auch, dass dann, wenn das Muster Flucht nicht mehr funktioniert, die nächste, zweitprimitivste Evolutionsstufe ausprobiert wird: die Vernichtung des Gegners. Dazu gleich mehr.

Ein weiter Kritikpunkt der BAFM-Funktionäre ist das mit der Vereinsgründung eingeführte neue Prinzip des DFfM, dass es einfache Mehrheitsentscheidungen geben kann, bei denen jedes Mitglied „unabhängig von der Größe der jeweiligen Organisation eine Stimme hat“ (sic!); das sei nicht praktikabel. Dieses Prinzip war im Rahmen einer losen Kooperationsrunde, wo es nichts formal abzustimmen gibt, nicht notwendig, und vielleicht ist es ja wirklich nicht das Ei des Kolumbus – das wird sich in der Praxis zeigen. Jedenfalls zeugt es von wechselseitiger Wertschätzung auf Augenhöhe und gewährleistet einen Minderheitenschutz, der bei so unterschiedlichen Mitgliederstärken für die „Einheit in Vielfalt“ im Verein unverzichtbar ist. Auch Bremen und Malta im haben Bundesrat bzw. im Rat der Europäischen Union aus gutem Grund einen höheren Stimmen- als Bevölkerungsanteil (und müssen trotzdem sogar weniger bezahlen - gegen die momentan für alle gleich hohen Mitgliedsbeiträge im DFfM wenden sich die BAFM-Funktionäre dagegen nicht!). Das von den BAFM-Funktionären favorisierte Einstimmigkeitsprinzip wird dagegen, sobald es innerhalb einer nicht mehr völlig unverbindlichen Struktur praktiziert wird, zum Blockade- und somit erpresserischen Machtinstrument für jeden, der keine Lust hat, auf andere zuzugehen und ernsthaft seine Positionen in Frage stellen zu lassen. Das kann auch nicht angehen – so schön es denn wäre, wenn es denn schön wäre…

In dem Zusammenhang sprechen die BAFM-Funktionäre schließlich dem DFfM in seiner jetzigen Zusammensetzung noch die Berechtigung ab, weiterhin seinen Namen zu tragen. Das Schisma ist also perfekt; das ist schmerzlich. Bei dem Versuch, das zu verarbeiten, drängt sich mir nun aber folgender Gedanke auf: Was, wenn die Funktionäre der BAFM unter „Kooperation“ keine gleichberechtigte, geschwisterliche Zusammenarbeit verstehen, sondern politische Kartellbildung unter Führung der BAFM, und falls das nicht geht, wenigstens Oligarchisierung im kleineren Rahmen einer zweckgeleiteten „Entente cordiale“ Gleichgesinnter, eine Kamarilla beim BMJ?

Ich kam darauf, als ich gerade die per se ja erst einmal legitime Kritik des BAFM-Vorstands gelesen hatte an der Absicht des DFfM, als nur eine (und nicht einmal die wichtigste) von etlichen Aufgaben unter anderem auch die einer Zertifizierungsstelle für Mediatoren zu erfüllen, und mir gleichzeitig den Internet-Auftritt der BAFM anschaute. Während den bei den allermeisten Mediationsvereinigungen naheliegenderweise Bilder von irgendwelchen sich streitenden oder sich wieder versöhnenden Menschen zieren, prangt mir da bei der BAFM die Reichstagskuppel entgegen. Hat die etwas mit Familien-Mediation zu tun, und wenn ja, was? Ist die BAFM heimlich, ohne dass wir das bisher wussten, eine staatliche Einrichtung? Oder ist da vielleicht eher der Wunsch Vater des Gedankens? Kann es sein, dass das DFfM sich dummerweise schlicht und einfach angeschickt hat, eine Rolle anzustreben, die die BAFM-Funktionäre sich unausgesprochenermaßen und ungefragt selbst schon zugedacht hatten, und dass diese deswegen so empfindlich reagieren, weil sie in dem Bereich keine anderen „Götter“ neben sich dulden mögen und jetzt fürchten, die Geister sie die riefen, nicht mehr los zu werden? Manchmal ist die Welt nämlich wirklich so einfach - wie es auch Eltern meist schwerfällt zu akzeptieren, wenn ihre Jungen flügge werden. Nachtigall, ick hör dir trapsen… Hier würde ich wirklich auch in schöner Mediationsmanier die Interessen hinter den Positionen verstehen wollen!

Friedrich Glasl lehrt uns ja auch, dass Konflikte neben dem vordergründigen Versuch, ein bestimmtes Ziel zu erreichen (etwa ein bestimmtes Projekt durchzusetzen oder zu verhindern), die Funktion haben, insgesamt acht Themen zu transportieren bzw. zu beeinflussen: Inhalt (um welche Position geht es vordergründig?), Selbst-Image (wie wollen wir gesehen werden?), Gegner-Image (wie sehen wir die anderen?), Selbstverstärkung (sich selber Mut machen), Ventilfunktion (einfach „Dampf ablassen“), Erreichungsziel (was sollen die anderen tun?), Hinderziel (was sollen die anderen unterlassen?), Signalwirkung (von den anderen wahr- und ernst genommen werden). Es wäre wirklich interessant und sicher auch hilfreich zu ergründen, welche Funktionen dieser Konflikt hier so besehen hat und für wen.

Die oben geschilderte Hypothese gewinnt m. E. spätestens durch das zweite Schreiben der BAFM-Geschäftsstelle weiter an Plausibilität. Es beginnt mit einer „herzlichen“ Gratulation an den neugewählten Präsidenten eines neuen Mediationsvereins (damit ist der DFfM e.V. gemeint) und einer erneuten Bekundung, die kollegiale Kooperation fortsetzen zu wollen. Dem folgt sogleich die Feststellung, dass die fünf Teilnehmer der bisherigen losen DFfM-Runde, die dem DFfM e.V. (noch) nicht beigetreten sind (AG Mediation im Deutschen AnwaltVerein, BAFM, BM, BMWA, Centrale für Mediation), die zahlenmäßig meisten MediatorInnen in Deutschland repräsentieren würden (der Vollständigkeit halber sei hier noch erwähnt, dass dazu als sechstes Noch-Nicht-DFfM-Mitglied auch die Deutsche Gesellschaft für Mediation in der Wirtschaft zählt). Dieser Auftakt wirft bereits ein paar Fragen auf:

1. Worin genau besteht die Neuheit des DFfM e.V.?

2. Woran macht sich nach den harschen Angriffen im Vorfeld jetzt die  Herzlichkeit der Gratulation fest?

3. Wie soll die kollegiale Kooperation aussehen, wenn keine Teilnahme mehr an Sitzungen des DFfM erfolgt?

4. Falls die fünf bzw. sechs o.g. Noch-Nicht-DFfM-Mitglieder tatsächlich die meisten deutschen MediatorInnen repräsentieren (wieviele genau und vor allem im Verhältnis zum DFfM, wäre noch zu überprüfen, zumal es eine erkleckliche Menge an MediatorInnen mit Doppel- und Mehrfachmitgliedschaften gibt, die man nicht einfach mehrmals zählen kann), was folgt daraus? Und inwiefern repräsentieren denn die genannten drei Unterzeichner des BAFM-Schreibens (für die BAFM: Paul, für den BM: Hohmann, für den BMWA: Wurl) auch wirklich diese „meisten der Mediatorinnen und Mediatoren Deutschlands“?

Die letztgenannte Frage dürfte allen MediatorInnen, die nicht nur dyadische Konflikte bearbeiten, als „Rückbindungsproblematik“ nur zu bekannt sein, und sie gewinnt noch aus zwei anderen Gründen hier an Bedeutung:

- Erstens ist das betreffende Schreiben zwar im Namen der drei o.g. Unterzeichner (nicht explizit der drei Vorstände) formuliert worden, versandt wurde es aber nur von der BAFM-Geschäftsstelle. Gleich oder ähnlich lautende eigene Schreiben von BM und BMWA liegen, anders als bei der weiter oben geschilderten gemeinsamen Sitzungsabsage, m. W. bislang nicht vor. Es wäre also erst noch zu verifizieren, inwiefern alle drei Verbandsvorstände die Position von Herrn Paul wirklich so mitverantworten, oder ob er vor dem Hintergrund der schon erwähnten Arbeitsbelastung in väterlicher Manier seinen beiden Kolleginnen einfach nur schon einmal Arbeit abnehmen wollte… Das wird sich ja leicht feststellen lassen.

- Zumindest beim BMWA (beim BM und der BAFM selber ja vielleicht sogar auch?) finden sich in durchaus namhafter Rolle (nicht im Vorstand, aber in der Zertifizierungskommission) Personen, bei denen ich mir nur schwer vorstellen kann, dass sie mit dem Vorgehen der BAFM-Funktionäre wirklich einverstanden sind: Marcus Brinkmann z.B., der sich in seinem „ADR-Blog“ schon mehrmals sehr kritisch genau dazu öffentlich geäußert hat, und Anita von Hertel, die sich im Wege der Doppelmitgliedschaft eben erst für die „Fördergemeinschaft Mediation D-A-CH“ in den Vorstand des DFfM e.V.(!) hat wählen lassen. Vielleicht können sich die beiden ja selber dazu erklären, damit meine Vermutung keine Unterstellung bleibt oder eben widerlegt wird. Auf jeden Fall zeigt das m.E, dass es sich lohnt, das „Sonnenkönigs-Argument“ (la médiation, c’est moi…) des BAFM-Vorstands einer genaueren Prüfung zu unterziehen.

Und dann kommt der eigentliche „Knaller“: die Klagedrohung unter Hinweis auf eine angebliche Verletzung des Namensrechts der Unterzeichner - Zitat:

„Wie Sie wissen, ist das ‚Deutsche Forum für Mediation’ seit 2004 … wiederholt in der Öffentlichkeit aufgetreten und ist Gegenstand diverser Veröffentlichungen, z.B. … Hierdurch hat der Name ‚Deutsches Forum für Mediation’ Verkehrsgeltung erlangt. Wenn Sie nunmehr diesen Namen für Ihren neuen Verein verwenden, dann geschieht dies unter Missachtung des unter unserer Mitwirkung genutzten und etablierten Namens, zudem entsteht offenkundig Verwechselungsgefahr. Damit sind wir, die BAFM, der BM und der BMWA nicht einverstanden. Wir haben uns bereits vorsorglich mit einer Schutzschrift an das zuständige Vereinsregister gewandt. Wir untersagen Ihnen und den Organen des von Ihnen vertretenen neuen Mediationsvereines hiermit ausdrücklich die Nutzung des Namens ‚Deutsches Forum für Mediation’ sowie deren Abkürzung ‚DFfM’ durch den neuen Verein. Die Unterlassung der Namensnutzung werden wir mit allen rechtlichen Mitteln durchsetzen.“

„Und willst Du nicht mein Bruder sein (oder noch besser: mein braves Kind??), dann schlag ich Dir den Schädel ein!“ - Drohung statt gemeinsamen Ringens!… Doch sogar schon Eskalationsstufe 6 nach Glasl? Und wie gesagt, der Versuch, mit dem zweiten Schwarzschen Konfliktlösungsmuster („Vernichtung“) weiter zu kommen als mit Flucht – wie unschön, einfallslos und riskant zugleich! Riskant nicht zuletzt auch deshalb, weil die Bundesregierung ja die Diskussionen und Entwicklungen in der Mediationsszene aufmerksam verfolgt und sich ihren Teil dabei denken und entsprechend handeln wird. Schlimmstenfalls könnte dabei aus dem anscheinend gehegten Traum der BAFM-Funktionäre (auch des BMWA und des BM? Wie sehen das die dortigen Vorstände?), ihr Verband sei der „primus inter pares“ der Mediationsszene, im Ergebnis eine „Primel unter Parias“ werden, falls sich die Mediationsverbände selbst durch Verhaltensauffälligkeiten allzu unmediativer Art beim BMJ diskreditieren sollten. Und das wäre nicht einmal der erste Fauxpas dieser Art in der deutschen Mediationsszene. Politisch kann man so etwas nämlich schön zum Anlass nehmen, um dann ganz andere Ergebnisse durchzusetzen, die letztlich keinem gefallen.

Zur Sache aber auch hier ein paar Anmerkungen und Fragen:

1. Der DFfM e.V. ist kein neuer Verein, der den Namen eines anderen „Deutschen Forums für Mediation“ usurpiert hat, sondern er IST das Deutsche Forum für Mediation, welches sich nun lediglich die Form eines eingetragenen Vereins gegeben hat mit allem, was dazugehört - es gibt da also gar nichts zu verwechseln. Dass BAFM, BM und BMWA sich trotz ausdrücklicher Einladung an der Vereinsgründung nicht beteiligen wollten, war die freie Entscheidung ihrer Vorstände, mit der sie sich selbst bedauerlicherweise von „ihrem“ Deutschen Forum für Mediation verabschiedet haben. Nun wollen sie zwar nicht mehr mitmachen, aber trotzdem noch irgendwie dazugehören? Oder wie ist das gemeint?

2. Kann ein rechtliches Nullum wie das DFfM in seiner früheren losen Kooperationsform überhaupt Namensrechte haben? Und wenn doch, wem gehören die in welchem Umfang bzw. Anteilen, so dass sie durch die Gründung des DFfM e.V. verletzt werden könnten? Den drei ausscherenden Verbänden allein?

3. Schließlich: Wer hat hier wem etwas zu untersagen? Der Sonnenkönig seinem Volk?

Richter könnten das nun entscheiden. Der Konflikt wäre dadurch nicht gelöst, sondern es würden Wunden vertieft und Gräben verfestigt - wer wüsste das besser als MediatorInnen? Ich hoffe daher noch, dass es so weit doch nicht kommt und die Vorstände von BAFM, BMWA und BM das „mediative“ Wort Jesu beherzigen: „Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist.“ (Mt 5, 25). Und ich will mich gerne, so gut ich das vermag, beim DFfM für ein Gleiches einsetzen.

Ich fasse meine Fragen an die Funktionäre der BAFM zusammen:

1.
Was genau verstehen Sie unter „Kooperation mit anderen Mediationsverbänden“?

2.
Wie vertragen sich Ihr Selbstverständnis als MediatorInnen und Ihr Plädoyer für das Konsensprinzip im DFfM mit Ihrer Weigerung, dort weiterhin an Konsensfindungsversuchen teilzunehmen, sowie Ihrer Klagedrohung stattdessen?

3.
Welche Rolle geziemt der BAFM, vertreten durch ihren Vorstand, im Konzert der Mediationsvereinigungen einerseits und gegenüber dem Staat andererseits?

Ich hoffe schließlich, dass sich die vielen Mitglieder in den ganzen Mediationsvereinigungen jenseits aller verbandspolitischen Winkelzüge und vielleicht auch persönli-chen Verletzungen ihr eigenes Urteil bilden und artikulieren werden. Mein vorläufiges und zum Teil noch unfertiges steht hier, zur Anregung und weiteren Diskussion. Es möge nützen! Das wünsche ich mir – und uns.

Dr. Dieter Kostka
Mitglied im FMöB e.V., BM e.V. und in der CfM-GmbH
 

Der offene Brief als pdf-Datei:  kooperation-von-mediationsvereinigungen-offenerbriefdkjuni2009.pdf

 

Welche Auffassungen und Meinungen haben Sie zu diesem Thema und insbesondere zu den genannten Punkten von Dr. Dieter Kostka? Haben Sie besondere Fragen an die Funktionäre der BAFM oder vom BM oder BMWA? Ich freue mich über Ihre Kommentare! 

Weitere lesenswerte Beiträge zu diesem Thema finden Sie hier:

Deutsches Forum für Mediation gegründet

Deutschlands Mediatoren vereinigen sich

Das Mediations-Trauerspiel geht weiter!

BAFM stellt sich ins Abseits

Falls auch Sie einen Gastbeitrag im ADR-Blog veröffentlichen möchten, können Sie sich gerne an mich (M. Brinkmann) wenden!

bisher 11 Kommentare 22. Juni 2009 Brinkmann

Stadtverordnetenversammlung für Mediation im Griebnitzsee-Streit

Mein Eindruck ist, dass die Mediation im öffentlichen Bereich in der letzten Zeit einen neuen Aufschwung erfährt. Immer häufiger erkennen die Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung, dass mit einem Mediationsverfahren tragfähige Entscheidungen erzielt werden können. Jüngstes gutes Beispiel ist ein Beschluss der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung. Einstimmig  hat die Rathauskoalition aus SPD, CDU und Grüne beschlossen, dass ein Mediator im Streit zwischen der Verwaltung und einem Privatanlieger um die Betretungsrechte eines Uferweges am Griebnitzsee vermitteln soll. Ich hoffe, dass nun ein Mediationsverfahren stattfindet, das den Namen Mediation auch verdient und damit Vorbildcharakter im öffentlichen Bereich haben kann.

Quellen: Berliner Morgenpost, rbb

bisher 2 Kommentare 07. Mai 2009 Brinkmann

Wenn der Nachbar nervt

Die aktuelle Titelstory des Focus Magazins lautet “Wenn der Nachbar nervt - Die 100 wichtigsten Urteile – So kommen Sie zu Ihrem Recht”. Ich bin mir sicher, dass die Auflage ihre Leserschaft finden wird. Aber ich bezweifel sehr, dass das Wissen über Gerichtsurteile den ersehnten Frieden im Nachbarschaftsstreit bringt. Es handelt sich oftmals um Streitentscheidungen, die auf die individuellen Begebenheiten und das Umfeld der Konfliktparteien gemünzt sind. Der Rechtsprechung fehlt es bei vielen nachbarschaftlichen Konfliktfeldern an einer klaren und stringenten Linie. Beispielhaft habe ich im Beitrag “Streitthema Grillen” sich widersprechende Urteile genannt.

Hilfreicher für die Beteiligten eines Nachbarschaftsstreit ist das Wissen über Möglichkeiten, wie der Konflikt einvernehmlich gelöst werden kann. Erst eine interesengerechte und auf die Zukunft gerichtete Lösung kann die Basis für ein gutes nachbarschaftliches Miteinander bilden. Für die Konfliktparteien ist die Mediation zur Lösung des Nachbarschaftsstreits eine sehr gute Wahl.

bisher 2 Kommentare 17. Februar 2009 Brinkmann

Arbeitsleben Deutschland - “Dienst nach Vorschrift”

Das Beratungsunternehmen Gallup hat in diesen Tagen wieder seine Untersuchungszahlen über die Jobzufriedenheit der Deutschen veröffentlicht. Seit 2001 erhebt Gallup jährlich die Studie zum Engagement und zur Motivation deutscher Arbeitnehmer. Für die jüngste repräsentative Untersuchung wurden von Ende Oktober bis Ende November 2008 knapp 2000 zufällig ausgewählte Arbeitnehmer ab 18 Jahre telefonisch interviewt. Eine deutliche Mehrheit der Beschäftigten in Deutschland ist offenbar wenig engagiert und motiviert bei der Arbeit. Die Zahlen:

  • Zwei Drittel der Beschäftigten machen lediglich Dienst nach Vorschrift
  • 20 Prozent haben bereits innerlich gekündigt
  • 13 Prozent verspüren eine Verpflichtung gegenüber ihrem Unternehmen oder fühlen sich an Unternehmen gebunden und arbeiten entsprechend hoch engagiert

Die Folgen sind laut der Studie sowohl volkswirtschaftlich als auch betriebswirtschaftlich erschreckend. Beschäftigte mit geringer beziehungsweise ohne emotionale Bindung kommen beispielsweise auf zwei bis vier Fehltage mehr im Jahr als emotional stark gebundene Mitarbeiter. Die Kosten für die Volkswirtschaft belaufen sich auf eine Summe zwischen 81,2 und 109 Milliarden Euro im Jahr.

Der Kern des Problems geht auf Probleme in der Personalführung zurück. »Deutsche Chefs sind zu autoritär und lassen andere Meinungen selten gelten«, sagte der Chef von Gallup-Deutschland, Gerald Wood, in einem dpa-Gespräch. Die Mitarbeiter vermissen Lob und Anerkennung für gute Arbeit. Auch sei Mobbing ein ernstzunehmendes Problem. Mitarbeiter bemängeln in der Studie zudem, dass Sie nicht wissen, was von ihnen genau erwartet wird. Die Vorgesetzten interessierten sich nicht für Sie als Mensch. Sie müssten häufig eine Position ausfüllen, die ihnen nicht liege oder ihrer Ansicht nach kaum Gewicht habe.

Aus Mediationssicht wäre interessant, wie die konkrete Situation in Unternehmen aussieht, die ganz bewußt Konfliktmanagementsysteme implementiert haben und auf Mediation setzen. Ich bin überzeugt, dass die Zahlen hier unter den Beschäftigten eine andere Sprache sprechen. Hier sollten wir Wirtschaftsmediatoren ansetzen und unsere gute Arbeit und insbesondere deren Nutzen für die Unternehmen aktiv in der Öffentlichkeit ansprechen.

Quelle: Financial Times, dpa

jetzt kommentieren? 16. Januar 2009 Brinkmann

Ein Drittel der Arbeitnehmer mit Fairness des Chefs unzufrieden

Das Institut für Mittelstandsforschung an der Universität Lüneburg befragte mehr als 2000 Personen - gut die Hälfte davon mit Hochschulabschluss - nach Fairness, Unterstützung bei beruflichen Zielen sowie dem menschlichen Verhältnis zum Chef. Die Befragung ergab, dass ein Drittel der Arbeitnehmer, die im Betrieb bleiben möchten, mit der Unterstützung durch den Chef und mit seiner Fairness unzufrieden sind. Bei den Stellensuchenden Arbeitnehmern sind es gar drei Viertel. Das menschliche Verhalten ihres Vorgesetzen bewerten dagegen beide Gruppen vergleichsweise positiv: Auch unter denjenigen, die überlegen, dem Betrieb den Rücken zu kehren, sagten nur 37,1 Prozent, das Verhältnis zum Chef sei “menschlich schlecht”.

Wie Chef und Mitarbeiter zueinander stehen, hat auch deutliche Auswirkungen darauf, wie wohl sich Letzterer fühlt: Läuft es rund, fühlen sich auch fast drei Viertel aller Arbeitnehmer gut. Kommen Mitarbeiter und Vorgesetzte dagegen nicht miteinander aus, ist das auch schlecht für das Unternehmen. Laut der Studie nimmt die Wahrscheinlichkeit, dass der Mitarbeiter sich dann nach einer neuen Stelle umsieht, deutlich zu. 49,3 Prozent der Befragten, die mit der Beziehung zum Chef unzufrieden sind, sagten, sie suchten aktiv einen neuen Arbeitgeber

Spannend ist aus meiner Sicht, mit welchen Methoden Chefs auf das Ergebnis dieser Studie reagieren können. In meiner Praxis hat sich der gezielte Einsatz von Mediation und die Implementierung von Konfliktmanagementsystemen sowie von Ombudsmann-Services im Unternehmen bewährt. Langfristig führt diese Investition oftmals zu einer besseren Unternehmenskultur und trägt damit auch nachhaltig zum finanziellen Erfolg des Unternehmens bei.

Lesen Sie zum erfolgreichen Einsatz von Konfliktmanagementsystemen auch die Beiträge:

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung, 29.11.2008

jetzt kommentieren? 19. Dezember 2008 Brinkmann

Familienmediation im Fernsehprogramm

Über den Blogger-Kollegen Axel Brodehl bin ich auf den TV-Tipp “Die Entscheidung” aufmerksam geworden. Der Sender 3sat strahlt heute um 20.15 Uhr diesen Beitrag über eine Familienmediation aus.  Der Film von Bernd und Heidi Umbreit wird so angekündigt:

“Wegen einer anderen Frau will sich Peter E. von seiner Frau trennen. Um einen Scheidungskrieg zu verhindern, lässt sich das Paar auf eine Mediation ein, in der das Sorgerecht der Kinder und finanzielle Fragen gütlich geklärt werden sollen. Während der Mediation nähern sich Peter E. und seine Frau jedoch wieder an. - Eine Langzeitbeobachtung über den Verlauf der zweijährigen Mediation des Paares.”

Die Erstausstrahlung war am 18.02.2008. Der Beitrag ist mir bisher unbekannt, so dass auch ich keine Empfehlung aussprechen kann. Ich wünsche allen Zuschauern einen informativen Fernsehabend.

bisher 3 Kommentare 27. Oktober 2008 Brinkmann

Dokumentation zur Mediation im Gemeinwesen in Osnabrück

Im Oktober ist in der Friedensstadt Osnabrück eine Dokumentation über Projekte im Rosenplatz-Quartier veröffentlicht worden. Die Dokumentation vermittelt einen sehr guten Einblick in die Vielfalt und hohe Qualität der Projekte und das große Engagement der Akteure vor Ort. Auch das von mir initiierte KoLOS-Projekt wird in der Dokumentation aufgegriffen. Im Jahr 2005 habe ich im Quartier 21 Konfliktlotsen qualifiert. Unterstützt wurde ich dabei von meinem Mediationskollegen Enno Greift. Menschen zusammenzubringen, die mit Verhandlungsgeschick alltägliche Konflikt lösen und so im Quartier eine eine wichtige Dienstleistung zur Verfügung stellen, das waren die Hauptziele meines Mediations-Projektes. Ich würde mich freuen, wenn durch die Dokumentation das Interesse an Mediation insbesondere in diesem Osnabrücker Stadtteil geweckt werden kann.

jetzt kommentieren? 20. Oktober 2008 Brinkmann

Was Frauen auf die Palme bringt

Frauen gehen bei so manchem typischen Männerspruch auf die Palme. Dies hat hat eine repräsentative Umfrage der Zeitschrift “bella” ergeben. Am nervigsten wird von den Frauen die Frage ihres Partners “Was essen wir heute?” empfunden. 65 Prozent der befragten Frauen im Alter von 35 bis 60 Jahren können diesen Satz nicht mehr hören und ärgern sich über den Appell an ihren Versorgungsinstinkt. Viele Frauen meinen, der Partner solle sich doch einfach eine Stulle schmieren, wenn er Hunger hat. 59 Prozent der Frauen nervt es, wenn ihr Partner sagt “Ich kann mich nicht um alles kümmern”. Der in der Frage “Wie lange brauchst du noch im Bad?” versteckte Vorwurf nervt 43 Prozent der Frauen. Sie sind der Meinung, dass Männer keinen Respekt vor ihrer Schönheitspflege hätten.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 15.10.2008

bisher 1 Kommentar 15. Oktober 2008 Brinkmann

Mediation “Landwehrkanal” droht das Scheitern

Der Mediation im öffentlichen Bereich rund um die Konflikte des Landwehrkanals in Berlin (Lesen Sie dazu hier und dort) steht eventuell vor dem Ende. Im Artikel “Neuer Streit um alte Bäume” berichtet taz.de, dass Teile der Bürgerinitiative “Bäume am Landwehrkanal” die Mediationsgesprächen verlassen haben. Die anderen Beteiligten sind entsetzt und sehen die Mediation in Gefahr.

Arno Paulus, Sprecher eines Teils der Bürgerinitiative, sagte zum Vorgang: “Es ist leichter gegen Kettensägen zu kämpfen, als gegen Behörden”. Der Grund für den Mediationsausstieg sind nach Angaben Paulus insbesondere unerfüllte Forderungen und die Langwierigkeit des Verfahrens. Paulus wird über die Effektivität des Verfahren mit den Worten “Drei Schritte vor, zwei Schritte zurück ist für uns nicht tragbar” zitiert.

Grundsätzlich ist eine Mediation nun sinnvoll, wenn alle Konfliktbeteiligten am Verfahren beteiligt werden. Dies führt insbesondere bei Mehrparteienkonflikte, wie sie typisch für Mediationen im öffentlichen Bereich sind, zu Schwierigkeiten. Insofern ist es interessant, wie sich das Mediationsteam und die anderen Konfliktparteien der neuen Situation stellen werden.

Gerade für die Mediation im öffentlichen Bereich in Deutschland ist es traurig, dass eventuell erneut ein Mediationsverfahren nicht erfolgreich beendet werden kann. Die Zahl der großen, öffentlichen Mediationsverfahren ist in Deutschland schon sehr gering, so dass eine Belebung insbesondere von erfolgreichen Mediationsverfahren ausgehen kann.

bisher 2 Kommentare 17. September 2008 Brinkmann

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